Mexiko Rundreise: Von Farben, Hitze und purem Lebensgefühl
- Livia Walker

- 22. Feb.
- 8 Min. Lesezeit
Zweieinhalb Wochen Mexiko. Cancún, Holbox, Valladolid, Mérida, Tulum und Playa del Carmen. Eine Reise durch Hitze, Farben, Geschichte und dieses ganz besondere Lebensgefühl, das sich nicht planen lässt. Mexiko kam nicht leise. Mexiko war sofort da. Laut, warm, chaotisch und mit einem Eimer voller Farbe. Ein Land, das dich umarmt und gleichzeitig herausfordert.

Ein Land, das pulsiert
Yucatán fühlte sich vom ersten Tag an intensiv an. Alles war spürbar: die Sonne auf der Haut, Musik in den Strassen, Gewürze in der Luft, Stimmen, Lachen, Bewegung. Es war nicht zurückhaltend, sondern voller Eindrücke. Und doch hatte auch hier alles seinen eigenen Rhythmus. Viel weniger geordnet wie in Japan, definitiv chaotischer. Dinge passieren, wenn sie passieren. Und wir merkten schnell: Genau so soll es sein. Diese Reise war für uns ein Eintauchen in Farben, Geschichte, ganz viel Lebensfreude und einige Herausforderungen.
Unsere Route
Unsere Rundreise durch Yucatán führte uns an sechs verschiedene und gleichzeitig wunderschöne Orte.
1. Cancún: Ankommen zwischen Karibik und Kontrast
Cancún war unser Startpunkt. Türkisblaues Meer, weisse Strände, Palmen, man könnte sagen: fast zu perfekt, um wahr zu sein.Doch Cancún ist mehr als Resorts. Abseits der Hotelzonen spürt man bereits die mexikanische Seele: lebendig, laut, chaotisch. Für uns war Cancún der sanfte Übergang hinein in eine andere Welt. Und hier merkten wir zum ersten Mal, dass man mit Englisch wirklich nicht weit kommt.
Tipp: Cancún eignet sich perfekt zum Ankommen. Nutze die ersten Tage, um das Tempo runterzufahren und in der Hitze anzukommen.
2. Holbox: Barfuss, Wind im Haar und Zeit vergessen
Holbox war wie eine Auszeit. Eine Insel mit sandigen Strassen, ohne Hektik. Wunderschöne Streetart, Fahrräder und viele Tiere rundeten das Bild ab.Hier verlangsamt sich alles automatisch. Barfuss durch den Ort, Sonnenuntergänge die schöner nicht sein können, Pelikane über dem Meer. Holbox fühlte sich für uns leicht an. Frei. Fast unwirklich.
Wir verbrachten unsere Tage mit Nichtstun, Spazieren, Staunen und dem Besuch beim Holbox Animal Refugio, wo wir wahnsinnig viel Zeit verbrachten. Abends Live-Musik, Tacos, kalte Drinks in der Hand. Holbox fragt nicht nach Plänen. Holbox lädt ein, einfach zu sein und zu geniessen. Für uns der schönste Ort auf unserer Rundreise.
Tipp: Es kann je nach Saison vorkommen, dass es Seegras an den Stränden hat. Sei darauf vorbereitet, damit du nicht enttäuscht wirst. Wenn du Zeit hast, schau im Tierheim «Animal Refugio Holbox» vorbei und nimm einen Hund auf einen Spaziergang mit. Die Tiere werden es dir danken. Und nimm Mückenschutz mit.
3. Valladolid: Kolonial, bunt und tief verwurzelt
Valladolid brachte uns zurück auf den Boden. Nach Strand und Inselruhe tauchten wir hier tief in die Geschichte ein. Pastellfarbene Häuser, kopfsteingepflasterte Strassen, kleine Plätze, Märkte. Alles wirkte authentisch und ehrlich.
Nur etwa 45 Minuten entfernt liegt eines der neuen sieben Weltwunder: Chichén Itzá. Die gewaltige Pyramide des Kukulcán ragt imposant in den Himmel und erinnert daran, wie hoch entwickelt die Maya-Kultur war. Das Gelände ist weitläufig, wir verbrachten über 3 Stunden vor Ort um all die Ruinen zu bestaunen. Trotz der vielen Besucher hatte der Ort etwas Ehrfürchtiges. Zwischen Tempeln, Säulen und dem grossen Ballspielplatz wurde Geschichte plötzlich greifbar.
Valladolid war ruhig, charmant und überraschend intensiv.
Tipp: Besuche Chichén Itzá früh am Morgen. Weniger Menschen, weniger Kommerz (Verkaufsstände), mehr vom Erlebnis. Wenn du Geld sparen willst, dann fahre mit dem Colectivo ab Valladolid. Und nimm genug Wasser und Sonnencreme mit, Schattenplätze sind rar.
4. Mérida: Kultur, Hitze und Herz
Mérida war heiss. Und lebendig. Unglaublich lebendig.
Die Stadt gilt als kulturelles Herz von Yucatán und genau so fühlte es sich für uns an. Musik erfüllte die Plätze, Tanzveranstaltungen fanden jeden Abend statt, Familien kamen zusammen, und überall wurde gelacht, gegessen und gelebt.
Wir hatten das grosse Glück, eine Karnevalsparade miterleben zu dürfen. Farbenfrohe Kostüme, laute Musik und tanzende Gruppen zogen durch die Strassen, während Menschen jeden Alters am Rand standen und feierten. Es war kein Event für Touristen, sondern ein Fest für die Menschen, und wir durften ein Teil davon sein.
An einem anderen Abend wurde auf einem öffentlichen Platz die Geschichte der Maya für alle zugänglich aufgeführt. Schauspieler erzählten von alten Zeiten, von Göttern und vom Alltag und sogar das berühmte Ballspiel der damaligen Zeit wurde nachgestellt. Es war faszinierend zu sehen, wie Geschichte hier nicht nur in Museen existiert, sondern weiterlebt.
Wir schlenderten durch die Altstadt, beobachteten das Leben und genossen. Mérida fühlte sich echt an. Weniger herausgeputzt und nicht künstlich touristisch, sondern stolz, ruhig und tief verwurzelt in seiner eigenen Identität.
Besonders beeindruckend war der Sonntag rund um die Plaza Grande. Der gesamte Bereich war autofrei und verwandelte sich in einen grossen lebendigen Raum voller Märkte, Essensstände, Kunsthandwerk und Musik. Menschen spazierten, Kinder spielten, und überall entstand dieses Gefühl von Gemeinschaft.
Tipp: Plane Siestas ein. Die Hitze ist kein Witz. Und bleib mindestens bis zum Abend auf einem der zentralen Plätze. Wenn die Sonne untergeht und die Temperaturen sinken, beginnt Mérida erst richtig zu leben mit Musik, Tanz und einer Atmosphäre, die du nie planen kannst, sondern einfach erleben musst.
5. Tulum: Zwischen Spiritualität und Instagram-Realität
Tulum war anders, als wir es erwartet hatten. Um in den Beach-Trubel einzutauchen, nahmen wir ein Colectivo zum öffentlichen Strand. Auch hier lag das Seegras dicht am Ufer, ein Anblick, der inzwischen fast zur Normalität an der Karibikküste gehört. Es war nicht der perfekte Strand, aber es war die Realität. Und genau das machte es auf seine eigene Weise besonders.
Überraschend war für uns, wie viel wohler wir uns in Tulum Pueblo fühlten als am berühmten Tulum Beach. Das Leben wirkte hier authentischer, entspannter und weniger inszeniert. Kleine Restaurants, lokale Läden, alltägliche Routinen statt Hotelfassaden. Es war ein Ort, an dem man ankommen konnte, ohne etwas darstellen zu müssen.
Die Hotelzone ist gesäumt von stylischen Beachclubs, Hotels und Designer-Läden. Durch Social Media sind die Preise in der Umgebung in den letzten Jahren jedoch deutlich gestiegen. Der Ort wirkt ästhetisch und durchdesignt, aber ist weniger geeignet für Langzeitreisende oder Backpacker.
Unser Apartment wurde schnell zu einem Rückzugsort, den wir sehr schätzten. Nach Wochen des Reisens tat es gut, wieder selbst zu kochen, vertraute Abläufe zu haben und uns Zeit zu lassen. Besonders liebten wir den Pool auf dem Dach, perfekt für ruhige Morgen, warme Nachmittage und lange Abende unter freiem Himmel.
Wir hatten nicht viele Pläne in Tulum. Das machte unsere Zeit dort wertvoll. Kein Abhaken von Sehenswürdigkeiten, kein Druck, alles sehen zu müssen. Stattdessen liessen wir die Tage einfach entstehen, in unserem eigenen Rhythmus.
Tipp: Wenn du Geld sparen willst, buche dir eine Unterkunft in Tulum Pueblo, es ist viel günstiger und du kommst mit dem Fahrrad, Roller oder den Colectivos einfach zum Strand.
6. Playa del Carmen: Zwischen Planänderung und unerwarteter Leichtigkeit
Unsere Zeit in Playa del Carmen begann nicht mit einem Plan, sondern mit einer spontanen Entscheidung. Eigentlich wollten wir weiter nach Chetumal reisen und von dort über den Landweg Richtung Guatemala. Doch eine aktuelle und sehr deutliche Reisewarnung des Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten brachte uns dazu, unsere Route noch einmal zu überdenken. Es war einer dieser Momente auf Reisen, in denen man lernt, loszulassen und dem Ungeplanten zu vertrauen. So landeten wir schliesslich hier, ohne grosse Erwartungen und wurden positiv überrascht.
Das Herz der Stadt ist die berühmte Quinta Avenida, eine lange Fussgängerzone voller Restaurants, Cafés, kleiner Läden und Menschen aus aller Welt. Klar, es ist touristisch, aber trotzdem hat der Ort was. Tagsüber schlenderten wir durch die Strassen, besuchten eine nahegelegene Maya Ruine, spazierten am Strand entlang oder genossen den Hotelpool. Es war lebendig, aber gleichzeitig auch leicht und unkompliziert.
So paradiesisch die Strände entlang der Küste von Yucatán auch sind, ein Thema begegnete uns hier immer wieder: das braune Seegras, genauer gesagt Sargassum. Seit einigen Jahren wird vermehrt Sargassum aus dem Atlantik an die Karibikküste gespült, besonders rund um Orte wie Holbox, Tulum oder Playa del Carmen. Ursachen sind steigende Meerestemperaturen, veränderte Meeresströmungen und ein erhöhter Nährstoffeintrag aus Landwirtschaft und Abwässern, der das Algenwachstum begünstigt. In grossen Mengen angespült, zersetzt sich das Seegras am Strand und kann Geruch sowie eine bräunliche Wasserfärbung verursachen. Trotzdem wollen wir erwähnen: Mit etwas Glück und Timing findet man auch hier traumhafte, fast seegrasfreie Abschnitte.
Playa del Carmen war anders, als wir es uns vorgestellt hatten. Weniger oberflächlich. Vielleicht lag es an unserer eigenen Offenheit nach der spontanen Planänderung. Oder aber auch daran, dass selbst die touristischsten Orte ihre eigenen stillen, ehrlichen Momente bereithalten. Wir wissen nicht genau warum es uns gefiel, aber das tat es. Auf irgend eine Art und Weise vermochte uns Playa del Carmen zu überzeugen.
Tipp: Die Maya Ruinen «Playacar Maya Ruines» sind nur ca. 20 Minuten Fussweg vom Stadtzentrum entfernt. Ein kleiner Spaziergang dort hin lohnt sich auf jeden Fall, der Eintritt ist gratis.
Das Land und seine Menschen
Vorweg: Wir können nur für Yucatán sprechen. Unsere Eindrücke beziehen sich auf diese Region und sind natürlich subjektiv.
Mexiko, beziehungsweise Yucatán, hat uns landschaftlich vollkommen begeistert. Die Farben, die Weite, das Licht, die Natur, das Meer, die kolonialen Städte. Dieses Land ist von einer unglaublichen Schönheit, und wir sind sehr dankbar, dass wir so viele besondere Orte erleben durften.
Im Hinblick auf die Menschen war unser Eindruck differenzierter.
Eventuell lag es an unseren bisherigen Reiseerfahrungen, oder an unseren Erwartungen. Besonders im Vergleich zu vielen asiatischen Ländern, die wir bereist haben, war der Kontrast spürbar. Dort erlebten wir oft eine sehr offene, unmittelbare Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft. In Yucatán fühlte es sich für uns stellenweise distanzierter an.
Wir gaben uns grosse Mühe, so gut es ging Spanisch zu sprechen und oft wurde das auch geschätzt. Es gab freundliche Begegnungen, ehrliche Gespräche und hilfsbereite Momente. Gleichzeitig machten wir jedoch auch drei oder vier Erfahrungen, die uns nachdenklich stimmten. Situationen, in denen wir uns eher unerwünscht oder abgefertigt fühlten.
Manchmal hatten wir den Eindruck, dass eine gewisse Touristenmüdigkeit spürbar war. Vielleicht verständlich in einer Region, die stark vom Tourismus lebt. Teilweise wirkte es auf uns genervt oder reserviert. Das hat uns ehrlich gesagt etwas getroffen. Wer uns kennt, weiss, dass wir wirklich nicht zu den Reisenden gehören möchten, die respektlos auftreten oder sich keine Mühe geben. Im Gegenteil: Wir versuchten bewusst, höflich, interessiert und respektvoll zu sein.
Natürlich waren viele Begegnungen positiv. Und dennoch haben einzelne Erlebnisse unseren Gesamteindruck stärker geprägt, als wir es uns gewünscht hätten.
Was jedoch bleibt (und das ist uns wichtig!), ist unsere tiefe Begeisterung für Yucatán selbst. Für die Natur, die Geschichte, die Kultur und die Atmosphäre. Dieses Stück Mexiko hat uns landschaftlich und kulturell vollkommen überzeugt.
Vielleicht war es einfach eine Frage des Moments, der Perspektive oder unserer eigenen Erwartungshaltung. Reisen bedeutet für uns auch immer, Unterschiede wahrzunehmen und natürlich fühlt sich nicht jede Erfahrung gleich an.
Yucatán bleibt für uns ein wunderschöner Ort. Wir sind dankbar für alles, was wir dort sehen und erleben durften.
Unsere Tipps für deine Reise
💡 1. Akzeptiere das Tempo.
Nicht alles geht hier schnell und das ist völlig in Ordnung.
💡 2. Respektiere Kultur und Geschichte.
Besonders an Maya-Stätten und in Cenoten.
💡 3. Mietauto oder öffentliche Verkehrsmittel.
Die Strassen in Yucatán sind gut ausgebaut, mit einem Mietwagen bist du besonders flexibel. Aber auch ohne Auto kommst du bestens herum: Die ADO-Busse sind komfortabel und zuverlässig, und der neue Tren Maya verbindet viele wichtige Orte der Region..
💡 4. Iss lokal.
Tacos, Cochinita Pibil, Nachos, Burritos, Empanadas, frische Säfte, Mexiko schmeckt frisch und intensiv.
💡 5. Lerne Spanisch.
Englisch wird wirklich kaum gesprochen, du wirst nicht drum herum kommen, dir einige Sätze anzueignen. Google-Translate wird dein bester Freund.
Fazit: Mexiko ist intensiv, lebendig und unvergesslich
Mexiko war laut, warm, lebendig, fröhlich und manchmal echt herausfordernd. Diese Reise verlangte Offenheit, Flexibilität, Mut (vor allem beim Spanisch sprechen), Vertrauen und schenkte uns im Gegenzug Eindrücke und Gefühle, die tief unter die Haut gingen.
Zweieinhalb Wochen Yucatán war ein Erlebnis zum Eintauchen.
Leider haben wir auf dieser Reise nur Yucatán kennengelernt, ein kleiner Ausschnitt eines so vielfältigen und grossen Landes. Schon unterwegs haben wir immer wieder gehört, dass auch die anderen Regionen Mexikos absolut sehenswert sind und jede für sich ihren ganz eigenen Charakter haben.
Für uns steht deshalb jetzt schon fest: Wir kommen zurück. Mexiko lässt einen nicht so einfach los.




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