Gedanken zum Valentinstag
- Livia Walker

- 14. Feb.
- 4 Min. Lesezeit
Jedes Jahr im Februar passiert es wieder: Die Welt wird rosa. Herzen überall. Pralinen in Herzform. Blumensträusse, Ballone und Plüschtiere. Und irgendwo dazwischen stehe ich und denke mir: „Ach ja. Schon wieder Valentinstag.“

Ich war noch nie ein grosser Valentinstags-Fan. Weder als Single noch in Beziehung. Ich hatte nie dieses dringende Bedürfnis, an genau diesem einen Tag im Jahr etwas schenken zu müssen oder beschenkt zu werden. Vielleicht fehlt mir da ein romantisches Gen. Vielleicht bin ich einfach zu pragmatisch. Oder, ganz ehrlich, vielleicht mag ich es einfach nicht, wenn Gefühle im Kalender stehen.
Versteht mich nicht falsch: Ich liebe Liebe. Ich liebe Nähe. Ich liebe dieses warme, sichere Gefühl, wenn man weiss, da ist jemand, der einen hält, im übertragenen wie im wörtlichen Sinn. Aber ich habe viel mehr Freude daran, diese Liebe das ganze Jahr über in kleinen Momenten zu zeigen.
Ein Lieblingsessen kochen, obwohl ich eigentlich keine Lust habe. Eine Tasse Kaffee ans Bett bringen. Ein „Ich bin stolz auf dich“, wenn es gerade besonders gebraucht wird. Ein Überraschungsdate an einem random Dienstag. Oder einfach mal zuhören, ohne sofort Lösungen liefern zu wollen. Für mich sind das die echten Liebesbeweise.
Valentinstag als Single
So richtig bewusst wurde mir das alles, als ich Single war. Da habe ich gemerkt, wie sehr dieser Tag auf Paare zugeschnitten ist. Restaurants mit Candle-Light-Dinner-Menüs. Werbung mit Händchen haltenden Silhouetten im Sonnenuntergang. Social Media voll mit Rosensträussen, die grösser sind als mein damaliger Lebenswille an manchen Februartagen.
Und ja, natürlich gab es Momente, in denen ich dachte: „Hm. Wäre schon schön, heute nicht allein zu sein.“ Ich bin ja auch nur ein Mensch mit Herz und gelegentlichem Hang zum Vergleichen.
Aber genau in dieser Zeit habe ich etwas Wichtiges gelernt: Liebe beginnt nicht bei einem Partner. Sie beginnt bei mir selbst (was, seien wir ehrlich, eine meiner grösseren Lebensaufgaben ist).
Und ganz ehrlich? Das habe ich erst so richtig verstanden, als ich in meinen 30ern angekommen bin. Vorher war „Selbstliebe“ für mich so ein Wort, das gut auf Postkarten passt. Oder unter Instagram-Bilder mit Sonnenuntergang. Klingt toll. Fühlt sich manchmal an wie ein Fremdwort.
Selbstliebe sagt sich leicht. Sie wirklich zu leben? Ist manchmal verdammt schwierig.
Es gibt Tage, da klappt es gut. Da fühle ich mich stark, zufrieden, im Reinen mit mir. Und dann gibt es Tage, da schaue ich in den Spiegel und denke: „Ah. Heute also wieder Selbstkritik im Sonderangebot.“
Selbstliebe ist eine Entscheidung. Immer wieder neu.
Und ich glaube, genau deshalb geht es am Valentinstag nicht darum, unbedingt einen Partner an seiner Seite zu haben. Sondern darum, von Menschen umgeben zu sein, die einem guttun. Für die man viel Liebe übrig hat. Und die auch welche für einen übrig haben.
Das kann Familie sein. Enge Freunde. Oder beides. Nicht immer muss es ein romantischer Partner sein. Natürlich ist es schön, wenn da jemand ist. Das will ich gar nicht kleinreden.
Unser Valentinstag in Mexiko
Ich liebe Fabio. Und ich liebe es, dass wir diesen Valentinstag gemeinsam auf Weltreise verbringen, gerade hier in Mexiko. Wir waren heute Morgen in einem süssen Café frühstücken, haben uns Zeit genommen, geredet, gelacht. Kein Geschenk, kein grosses Tamtam. Einfach wir.
Ich liebe es, dass wir heute nichts müssen. Dass wir geniessen dürfen. Dass wir uns haben. Ich bin dankbar. Für ihn. Für uns. Für unsere Liebe und unsere gemeinsame Reise.
Und gleichzeitig bleibe ich dabei: Wenn man sich selbst nicht liebt, wird es schwierig, jemand anderen wirklich zu lieben. Denn wie willst du glauben, dass dich jemand von Herzen liebt, wenn du selbst ständig an dir zweifelst?
Diese Selbstliebe ist an manchen Tagen leicht. Und an anderen ein echter Kraftakt. Und ich glaube, das es ganz vielen da draussen ähnlich geht wie mir und dass das völlig okay ist.
Für alle, die heute kämpfen
Was mir an diesem Tag aber besonders wichtig ist: Lasst uns nicht vergessen, dass es da draussen viele Menschen gibt, für die dieser Tag kein süsses Café in Mexiko ist.
Vielleicht wünscht sich jemand gerade sehnlichst einen Partner und hat ihn noch nicht gefunden. Vielleicht hat jemand seinen Partner verloren und trauert. Vielleicht steckt jemand mitten in einer Krise. Kämpft um eine Beziehung. Oder um sich selbst.
Für manche ist dieser Tag ein leiser Stich ins Herz.
Und vielleicht können wir genau deshalb den Fokus ein bisschen verschieben. Wie wäre es, wenn wir am Valentinstag nicht nur an „die grosse Liebe“ denken, sondern an die Menschen, die uns wichtig sind? An die, die gerade eine Extra-Portion Wärme gebrauchen könnten?
Eine kurze Nachricht. Ein „Ich denke an dich“. Die Lieblingsblume vor der Tür. Ein Herz per WhatsApp. Oder die simple Frage: „Hast du Lust, heute etwas zu unternehmen?“
Manchmal ist Liebe genau das: jemandem zeigen, dass er nicht allein ist.
Mein Fazit
Ich werde wahrscheinlich auch nächstes Jahr nicht plötzlich zur Valentinstags-Überfliegerin mutieren. Es wird keine riesigen Geschenke geben, keine überschwänglichen Überraschungen mit Streichquartett im Hintergrund.
Aber es wird Kaffee ans Bett geben. Und ehrliche Gespräche. Und kleine Gesten an zufälligen Tagen im April oder Oktober.
Und vielleicht ist genau das mein persönlicher Valentinstag: nicht am 14. Februar, sondern an 365 Tagen im Jahr.
Liebe ist kein Event. Sie ist Alltag. Und manchmal auch verdammt viel Arbeit.
Aber vor allem ist sie das Schönste, was wir teilen können, mit einem Partner, mit unserer Familie, mit Freunden. Und hoffentlich immer öfter auch mit uns selbst.
In diesem Sinne: Lasst uns heute ein bisschen weicher miteinander sein. Und vielleicht auch mit uns.
Fröhlichen Valentinstag euch ALLEN!



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