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All inclusive Badeferien: Fluch und Segen zugleich

Autorenbild: Livia Walker
Livia Walker
20. Juni
4 Min. Lesezeit

Wir haben es getan.


Nach einem Jahr Weltreise, unzähligen Bussen, endlosen Grenzübertritten, nach Hotels, bei denen die Dusche entweder gar nicht funktionierte oder direkt das ganze Badezimmer unter Wasser setzte, haben Fabio und ich uns zehn Tage All Inclusive Badeferien in Tunesien gegönnt.


Und wisst ihr was? Es war grossartig.


Gleichzeitig hat es uns aber wieder daran erinnert, warum wir sowas normalerweise eher selten machen.

 


Ein Jahr Weltreise und warum wir jetzt Ferien brauchen


Zehn Tage Nichtstun nach einem Jahr Weltreise


Ich weiss nicht, wann ich das letzte Mal zehn Tage lang so wenig organisiert habe.


Normalerweise besteht Reisen bei uns ungefähr zu 80 Prozent aus Planung.


Wo schlafen wir?

Wie kommen wir dahin?

Welche Fähre fährt?

Brauchen wir Tickets?

Brauchen wir Nerven?

Brauchen wir beides?


Im Resort hingegen bestand unsere grösste Herausforderung darin, zu entscheiden, ob wir zuerst an den Pool oder zuerst ans Meer gehen.


Ein Luxusproblem, das ich erstaunlich schnell angenommen habe.


Morgens aufstehen.

Frühstücksbuffet.

Pool.

Meer.

Mittagessen.

Wiederholen.


Es war fast schon beeindruckend.



Warum All inclusive so entspannend sein kann


Manchmal vergisst man auf einer langen Reise, wie schön es sein kann, einfach nichts zu müssen.


Alles war organisiert.


Ohne Witz: Das war fantastisch.


Wir haben geschlafen.

Massagen genossen.

Stundenlang aufs Meer geschaut.

Am Pool gelegen.

Uns durch Buffets gegessen, die ungefähr so gross waren wie ein mittelständischer Schweizer Dorfkern.


Und zum ersten Mal seit Langem hatten wir das Gefühl, dass unser Gehirn nicht permanent im Hintergrund irgendwelche Reiselogistik berechnen musste.


Sogar Elisabeth wirkte entspannter, wobei sie als gehäkeltes Alpaka grundsätzlich eher wenig Stress ausstrahlt.

 


Der tägliche Kampf um die Sonnenliegen


Dann gibt es allerdings diese Menschen.


Ihr kennt sie.


Die Sonnenliegenbesetzer. Eine Spezies, die vermutlich bereits um vier Uhr morgens aktiv wird. Anders kann ich es mir nicht erklären.


Jeden Morgen lagen auf den meisten Liegen bereits Handtücher.


Menschen dazu? Keine.


Nur Handtücher.

Stundenlang.

Vier Stunden.

Fünf Stunden.


Teilweise hatte ich das Gefühl, die Besitzer dieser Handtücher seien längst wieder nach Hause geflogen. Die Liege blieb trotzdem reserviert.


Vielleicht gibt es irgendwo ein geheimes Handtuch-Treueprogramm, von dem ich nichts weiss.


Nach zehn Tagen habe ich jedenfalls gelernt: Nichts wird in einem All-Inclusive-Hotel ernster genommen als die strategische Platzierung eines Badetuchs.

 


Wenn selbst Entspannung langweilig wird


Was wir ebenfalls wieder festgestellt haben: Nichtstun ist wunderschön. Aber auch Nichtstun kann anstrengend werden.


Nach einigen Tagen hatten wir plötzlich Gespräche wie:


"Wollen wir an den Pool?"

"Wir waren gestern am Pool."

"Dann ans Meer?"

"Wir waren vorgestern am Meer."

"Dann vielleicht wieder Pool?"

"Klingt vernünftig."


Es sind Diskussionen auf sehr hohem Niveau, das ist mir bewusst. Trotzdem merkten wir hier wieder, warum wir normalerweise lieber anders unterwegs sind.


Wir mögen Bewegung. Neue Orte entdecken, neue Eindrücke verarbeiten, neue Geschichten kennenlernen. Das reizt uns.


Nach zehn Tagen Resort kennt man irgendwann jeden Baum, jede Palme und wahrscheinlich auch die Familiengeschichte der Gäste am Nachbartisch.

 


Die Sache mit der Animation


Dann wäre da noch das Animationsprogramm.


Jeden Tag. Von morgens bis abends.


Wassergymnastik.

Spiele.

Tänze.

Wettbewerbe.

Partys.


Irgendwo lief immer Musik.

Irgendwo wurde immer etwas moderiert.

Irgendwo sollte man immer irgendwie mitmachen.


Ganz so konsequent haben Fabio und ich uns dem Ganzen allerdings nicht entzogen. Bei einigen Aktivitäten haben wir durchaus mitgemacht. Zum Beispiel beim Bogenschiessen. Wobei die Zielscheibe offensichtlich eine sehr persönliche Abneigung gegen mich entwickelt hatte, anders kann ich mir meine Trefferquote bis heute nicht erklären.


Viele der angebotenen Spiele konnten uns dagegen weniger begeistern. Einige erinnerten mich stark an die Spiele, die ich sonst mit meinen Kindern im Kindergarten spiele. Der entscheidende Unterschied: Dort sind sie für die Kinder gedacht und nicht für mich.


Entsprechend hielt sich unser Drang, begeistert mitzumachen, eher in Grenzen.


Während andere voller Elan beim Pooltanz, bei Teamspielen oder irgendwelchen Wettbewerben aufgingen, kämpften wir meist erfolgreich darum, unseren Ferienmodus aufrechtzuerhalten. Den Alltag verdrängen wir noch ziemlich gekonnt und dazu gehört offenbar auch alles, was sich verdächtig nach pädagogischem Bewegungsprogramm anfühlt.


Und die Ausflugsangebote? Die waren oft erstaunlich touristisch und erstaunlich teuer.


Also haben wir uns das Geld gespart.



Tunesien ausserhalb der Hotelanlage


Was uns in Tunesien allerdings etwas gestört hat: Sobald man die Hotelanlage verliess, wurde es teilweise richtig anstrengend.


"Kauft hier."

"Kommt in meinen Laden."

"Woher kommt ihr?"

"Nur kurz schauen."

"Bester Preis."

"Mein Freund."

"Hallo Schweiz."


Innerhalb von ungefähr fünf Minuten hatte man bereits mehr Gespräche geführt als während eines ganzen Tages am Pool.


Natürlich wissen wir, dass die Menschen ihr Geld verdienen müssen und einige waren absolut freundlich. Leider gab es aber auch die aggressiven Exemplare, die bei uns keinen besonders guten Eindruck hinterliessen.


Diese permanente Ansprache kostet Energie. Vor allem, wenn man eigentlich nur spazieren gehen möchte.


Wir merkten, dass man häufiger in der Hotelanlage bleibt, einfach weil man keine Lust auf die ständigen Verkaufsversuche hat. Schade, irgendwie.


Denn dann fühlt man sich plötzlich ein bisschen gefangen, in einer Anlage, die eigentlich Freiheit und Erholung verspricht.



Warum Preisverhandlungen nicht unser Ding sind


Und dann kommen wir zu meinem persönlichen Erzfeind.


Preisverhandlungen.


Ich weiss, in vielen Ländern gehört das dazu.


Es ist Teil der Kultur.

Teil des Handels.

Teil des Erlebnisses.


Und ich respektiere das selbstverständlich.


Aber als Schweizerin? Katastrophe.


Wir lieben Fixpreise. Wir wachsen praktisch mit Fixpreisen auf.


Da steht eine Zahl.

Man schaut die Zahl an.

Man entscheidet, ob einem die Zahl gefällt.

Ende der Geschichte.


Kein Theater, keine Verhandlung, kein mentales Schachspiel, einfach und unkompliziert.


Bei Preisverhandlungen hingegen habe ich permanent das Gefühl, dass ich etwas falsch mache.


Zahle ich zu viel? Mit Sicherheit.

Beleidige ich gerade jemanden? Vermutlich.

Werde ich gerade über den Tisch gezogen? Ganz bestimmt.


Und seien wir ehrlich: Als Touristen wird man wahrscheinlich fast immer einiges mehr bezahlen als die Einheimischen, das gehört vermutlich dazu.


Ich werde wohl nie die Person sein, die mit glänzenden Augen über einen Basar läuft und begeistert um jeden Franken feilscht.


Ich möchte einfach wissen, was etwas kostet.

Und dann entscheiden.


Spätestens an diesem Punkt hat mein innerer Bünzli die Diskussion gewonnen.



Unser Fazit zu All inclusive Ferien


Würden wir wieder All Inclusive Ferien machen? Ja.


Vor allem nach einem Jahr Weltreise. Die Erholung war genau das, was wir gebraucht haben.


Die Pools.

Das Meer.

Der Strand.

Das gute Essen.

Die Massagen.

Das komplette Abschalten.


All das war herrlich.


Gleichzeitig haben uns diese zehn Tage auch wieder gezeigt, warum wir sonst lieber unterwegs sind. Warum wir gerne entdecken. Warum wir lieber spontan durch unbekannte Strassen laufen als jeden Tag dieselbe Liege anzuschauen.


Aber für diese zehn Tage? War es genau richtig.


Und sogar Elisabeth hat sich nicht ein einziges Mal über das Buffet beschwert.



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