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Weltreise Vorbereitung: Was dir niemand vorher erzählt

Autorenbild: Livia Walker
Livia Walker
11. Okt.
4 Min. Lesezeit

Wenn man an die Vorbereitung auf eine Weltreise denkt, denkt man an Rucksäcke.

An Packlisten.

An die grosse Frage, ob man wirklich fünf T-Shirts braucht oder auch mit drei durchkommt. An Wanderschuhe, Reiseapotheke, Adapter und diese ominöse kleine Bauchtasche, die plötzlich jeder besitzt, sobald er länger als zwei Wochen verreist.


Wir dachten das auch.


Bis wir eines Abends an unserem Küchentisch sassen und vor uns einen Stapel Versicherungsunterlagen hatten, der ungefähr die Höhe eines kleinen Romans erreicht hatte.


Wir wollten auf Weltreise, stattdessen lernten wir Deckungssummen kennen.



Weiblichkeit auf Langzeitreise


Plötzlich war unser Küchentisch ein Versicherungsbüro


Unsere Weltreise startete im Juli 2025. Ein Jahr raus aus dem Alltag, rein in die Welt.


Klingt nach Abenteuer pur.

War es auch.


Aber bevor wir Sonnenuntergänge anschauen, Tuk-Tuks hinterherwinken und uns fragen konnten, wo wir heute eigentlich schlafen, mussten wir erst einmal sehr viel Erwachsenen-Kram erledigen.


Und damit meine ich nicht „noch schnell Sonnencreme kaufen“.


Wir hatten Termine bei Versicherungen. Und Termine bei Versicherungen. Und irgendwann hatten wir so viele Unterlagen, dass wir uns ernsthaft fragten, ob wir jetzt auf Weltreise gehen oder eine Versicherungsmakler-Ausbildung beginnen.


Hausrat?

Haftpflicht?

Reiseversicherung?

Auslandskrankenversicherung?

Invalidenversicherung?

Was brauchen wir überhaupt noch? Was ist doppelt? Was deckt was? Und warum kostet „für den Fall, dass irgendwo auf der Welt etwas komplett schiefgeht“ eigentlich so viel?


Man will einfach nur ein Jahr die Welt sehen und plötzlich diskutiert man über Deckungssummen.



Tschüss Wohnung


Auch unsere geliebte Wohnung mussten wir loslassen.

Das war übrigens emotionaler, als wir gedacht hatten.


Eine Wohnung ist schliesslich nicht einfach vier Wände und ein Mietvertrag. Da steckt Alltag drin. Erinnerungen. Gemütliche Abende. Lieblingsplätze. Dinge, die man irgendwann gar nicht mehr bewusst wahrnimmt, weil sie einfach da sind.


Und dann sortiert man sein Leben in: Mitnehmen. Einlagern. Weggeben. Verkaufen. Entsorgen.


Irgendwann hältst du einen völlig banalen Gegenstand in der Hand, den du seit Jahren nicht benutzt hast und plötzlich hängt dein Herz daran.


„Aber das können wir doch nicht einfach weggeben.“


Warum eigentlich nicht? Keine Ahnung.


Wir wussten nicht mal mehr, das wir das Ding besitzen, aber in diesem Moment fühlte es sich an, als würden wir unsere halbe Existenz weggeben.


Eine Weltreise bedeutet eben nicht nur, dass man einen Rucksack packt.


Man muss sein Leben für ein Jahr in Kisten sortieren.



Die Sachen mit den Jobs


Fabio kündigte seinen Job.

Ich konnte für unsere Reise unbezahlten Urlaub nehmen.

Und auch wenn wir natürlich wussten, dass wir genau das wollten, war der Moment trotzdem ziemlich real.


Denn „Wir gehen ein Jahr auf Weltreise“ klingt beim Abendessen noch ziemlich cool.

Aber irgendwann wird aus diesem Satz: „Okay. Ich gebe meinen Job WIRKLICH auf.“


In diesem Moment merkt man: Das hier ist kein Reiseplan mehr.

Das ist eine echte Entscheidung.

Eine mit Konsequenzen.

Eine, bei der man nicht einfach nach zwei Wochen wieder zurückkommt und sagt: „War doch keine gute Idee.“

 


Dann kamen die Nadeln


Dann kamen die Impfungen.

Und zwar nicht eine.

Nicht zwei.

Sondern gefühlt alle.

Wir sassen beim Arzt und liessen uns eine Nadel nach der anderen in die Arme jagen.


Irgendwann war der Punkt erreicht, an dem man nicht mehr fragte: „Welche Impfung bekomme ich?“

Sondern eher: „In welchen Arm kommt die nächste?“


Wir verbrachten plötzlich erstaunlich viel Zeit damit, unseren Impfpass zu aktualisieren.


Auch das gehört zu einer Weltreise.

Nur eben nicht zu dem Teil, über den man am meisten spricht.



Plötzlich sprachen wir über unseren Tod


Jetzt wird es etwas weniger sexy.


Denn wir haben uns vor der Reise auch mit Dingen beschäftigt, über die man nicht besonders gerne spricht.


Was passiert, wenn einer von uns schwer krank wird?

Was, wenn wir nicht mehr selbst entscheiden können?

Was passiert, wenn einer von uns stirbt?

Wer soll sich kümmern?

Wer bekommt was?


Wir haben eine Patientenverfügung erstellt, eine Todesfallanordnung verfasst und unser Testament geregelt.


Und ich kann euch sagen: Es gibt angenehmere Date-Night-Themen.


Wir wollten eigentlich wissen, welche Länder wir bereisen, stattdessen beschäftigten wir uns mit unserem Nachlass.


Dennoch war es wichtig.

Denn gerade weil man jung ist, denkt man oft: Das brauche ich doch noch nicht.

Wir wollten nicht davon ausgehen, dass etwas passiert, aber wenn etwas passiert, wollten wir nicht auch noch Chaos hinterlassen. Wenn wir schon irgendwo auf der anderen Seite der Welt sind und das Leben plötzlich komplett aus der Spur gerät, sollte wenigstens das geregelt sein, was man vorher regeln kann.



Man braucht jemanden, der den Laden zu Hause schmeisst


Eine Sache wurde uns bei all diesen Vorbereitungen besonders bewusst: Man kann nicht einfach verschwinden und erwarten, dass zu Hause alles ein Jahr lang auf Pause steht.


Post kommt trotzdem.

Rechnungen kommen trotzdem.

Behördliche Briefe kommen trotzdem.


Deshalb brauchten wir jemanden, dem wir wirklich vertrauen.

Jemanden, der unsere Post entgegennimmt.

Rechnungen bezahlen kann.

Unterlagen verwaltet.

Sich um Dinge kümmert, wenn wir gerade irgendwo auf der Welt unterwegs sind.


Und natürlich braucht diese Person die entsprechenden Vollmachten.

Im Idealfall ist das eine Person für möglichst vieles.


Denn mal ehrlich: Wenn man drei verschiedene Menschen braucht, damit einer die Post öffnet, einer Rechnungen bezahlt und einer im Notfall Entscheidungen trifft, wird die Weltreise organisatorisch langsam zum mittelgrossen Konzern.


Wir wollten deshalb möglichst viel bündeln.

Eine Vertrauensperson.

Klare Vollmachten.

Klare Regelungen.



Am Schluss war das Packen fast das Einfachste


Irgendwann waren wir tatsächlich an diesem Punkt.

Die Wohnung war aufgelöst.

Der Job geregelt.

Die Versicherungen abgeschlossen.

Die Impfungen gemacht.

Vollmachten unterschrieben.

Patientenverfügung erledigt.

Todesfallanordnung geregelt.

Testament geschrieben.

Eine Vertrauensperson bestimmt.


Und dann? Dann mussten wir nur noch unsere Sachen in den Rucksack bekommen.

Ironischerweise war das fast der einfachste Teil.

Denn genau darüber sprechen alle.


Welche Schuhe?

Welcher Rucksack?

Wie viele T-Shirts?

Welche Kamera?

Aber kaum jemand spricht darüber, dass eine Weltreise auch bedeutet, sein komplettes Leben einmal von oben bis unten durchzuorganisieren.


Wir haben unsere Rucksäcke gepackt und gleichzeitig versucht, unser ganzes Leben so aufzustellen, dass wir es für ein Jahr verlassen können.


Das sieht man auf den Fotos aber nie.

Die Palmen sieht man.

Den Rucksack sieht man.

Das Lächeln sieht man.


Den Ordner mit Versicherungen, Testament und Vollmachten sieht man nicht.

Dabei lag genau der vorher auf unserem Küchentisch.


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