Zurück vom Roadtrip: Ich liebe unser Bett und ich bin offenbar alt geworden

Wir sind wieder zu Hause.
Der Roadtrip ist vorbei. Die Taschen sind ausgepackt, die Wäsche türmt sich und irgendwo liegt noch eine Socke, aber eigentlich interessiert mich gerade nur eine Sache: Unser Bett.
Ich liebe dieses Bett.
Es ist vielleicht sogar ein bisschen verrückt, wie sehr ich es liebe.
Denn früher hätte ich nach einem Roadtrip gesagt: „Boah, war das schön. Die Landschaft. Die Städte. Die Freiheit.“
Heute sage ich: „Boah. Ich freue mich auf unser Bett.“
Willkommen in meinen Mittdreissigern.

Die Matratze muss hart sein
Und damit meine ich wirklich hart.
Nicht so „mittelfest“.
Nicht „komfortabel stützend“.
Ich möchte eine Matratze, bei der mein Körper versteht: Hier passiert heute nichts mehr. Du bleibst genau da.
Ich brauche Stütze.
Halt.
Struktur.
Ich möchte mich hinlegen und spüren, dass mein Becken nicht langsam Richtung Erdmittelpunkt kippt.
Auf einer zu weichen Matratze liege ich irgendwann wie ein Fragezeichen.
Die Hüfte sinkt ein, der Rücken macht irgendetwas Eigenständiges und morgens stehe ich auf und fühle mich, als hätte ich nachts versucht, in einer Hängematte einen Marathon zu laufen.
Nein danke.
Gib mir eine harte Matratze.
Eine, die sagt: „Ich hab dich.“
Und ich sage: „Danke.“
Wir werden älter
Ich gebe es zu.
Ich bin Mitte 30.
Und mittlerweile merkt man das offenbar daran, auf welcher Matratze ich schlafen möchte.
Mit 20 wäre mir vermutlich alles egal gewesen.
Hauptsache Bett.
Heute prüfe ich eine Matratze ungefähr so kritisch wie früher eine Wohnung.
„Wie ist das Material?“
„Wie fest ist sie?“
„Wie liegt das Becken?“
„Wie ist die Unterstützung im unteren Rücken?“
Fabio schaut mich an.
„Wir wollten nur zwei Nächte hier schlafen.“
„Ja, aber schlecht schlafen will ich trotzdem nicht.“
Das ist die bittere Wahrheit, Leute: Man wird älter und plötzlich ist eine gute Matratze attraktiver als eine gute Party.
Nach dem Roadtrip war es dann endgültig vorbei
Wir kamen nach Hause.
Duschten.
Und dann legte ich mich hin.
Ich sagte erst einmal gar nichts.
Ich lag einfach da.
Fabio kam ins Schlafzimmer.
„Alles okay?“
„Mhm.“
„Warum grinst du?“
„Ich liebe unser Bett.“
„Das hast du schon gesagt.“
„Ich meine es aber jetzt noch mehr.“
Ich zog die Decke bis zum Kinn.
Perfekte Matratze.
Perfektes Kissen.
Perfekte Decke.
Alles passt.
Nichts drückt.
Nichts zieht.
Nichts hängt durch.
Mein Becken bleibt, wo es hingehört.
Mein Rücken fühlt sich verstanden.
Ich war angekommen.
Im Bett.
Ich will trotzdem die Welt sehen
Auf Reisen will ich immer weiter.
Noch eine Stadt.
Noch ein Café.
Noch eine Strasse.
Noch ein schöner Aussichtspunkt.
Ich liebe dieses Gefühl, irgendwo aufzuwachen und nicht genau zu wissen, was der Tag bringt.
Nach einer Woche Roadtrip gibt es aber diesen Moment.
Du steigst aus dem Auto.
Du bist müde.
Du hast genug fremde Kissen ausprobiert.
Dein Rücken hat genug Abenteuer erlebt.
In diesem Moment denkst du: Ich habe es so vermisst.
Unser Bett.
Ich könnte dieses Ding heiraten
Unser Bett.
Es ist zuverlässig.
Es gibt mir Halt.
Es ist jeden Abend da.
Es fragt nicht: „Was möchtest du heute Abend essen?“
Es liegt einfach da.
Und wenn ich mich hineinlege, weiss ich: Hier bin ich richtig.
Ohne Scheiss, ich könnte dieses Ding heiraten.
Das ist die neue Form von Luxus, ü30 Edition.
Nach einem Roadtrip nach Hause zu kommen, die Schuhe auszuziehen und sich in die eigene Matratze fallen zu lassen.
Eine harte Matratze.
Natürlich.
Ich bin schliesslich Mitte 30.
Man hat schliesslich Standards.
Und trotzdem muss ich eines klarstellen: So sehr ich unser Bett liebe, Fabio bleibt die Nummer eins.
Das Bett hat zwar eine verdammt gute Matratze, gibt mir Halt und ist immer für mich da, aber Fabio trägt meine Stimmungsschwankungen mit, fährt stundenlang Auto mit mir und hört sich trotzdem noch meine Bett-Monologe an.
Ausserdem kann er mich im Gegensatz zu unserem Bett auch zurückküssen.
Klarer Siegerpunkt.
Also: Das Bett bekommt den ersten Platz beim Schlafen. Fabio den ersten Platz in meinem Herzen.
Das Bett sollte sich damit zufriedengeben.
Es hat schliesslich keine Chance gegen einen Mann, der mir sogar morgens Kaffee macht.




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