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Reverse Culture Shock: Warum die Rückkehr nach Hause schwieriger ist als die Weltreise

Autorenbild: Livia Walker
Livia Walker
13. Juli
3 Min. Lesezeit

Da sind wir also.


Wieder zuhause.


Man hat den Kulturschock auf der Reise erwartet, nicht bei der Rückkehr.


Doch genau das passiert vielen: Das Schwierigste ist nicht, sich an eine neue Kultur zu gewöhnen, sondern an die eigene.

 


Weiblichkeit auf Langzeitreise


Zurück zu Hause und trotzdem ist alles anders


Fabio und ich sind zurück.


Ein Jahr Weltreise.


Ein Jahr „Heute schlafen wir hier.“ Ein Jahr „Mal schauen, was passiert.“ Ein Jahr Abenteuer. Sonne. Chaos. Freiheit.


Und jetzt? Jetzt wohnen wir wieder in der Schweiz.


Übrigens in einer absoluten Traumwohnung.


Ich schwöre, jedes Mal, wenn ich durch die Tür laufe, denke ich kurz: „Wow. Das ist jetzt wirklich unser Zuhause.“


Wir lieben sie.


Der Umzug ist geschafft.

Die Kartons sind fast alle weg.

Eigentlich könnte jetzt alles perfekt sein.


Eigentlich.


Denn während wir langsam unsere Küche einräumen, räumt die Schweiz gerade uns auseinander.



Wenn sogar die Migros plötzlich fremd wirkt


Ich weiss nicht, ob ihr schon mal ein Jahr weg wart.


Aber plötzlich fühlt sich das eigene Land an wie ein Austauschsemester.


Am Samstag standen Fabio und ich gefühlt eine Stunde in der Migros, weil wir nichts mehr gefunden haben.


Die Migros wurde während unserer Abwesenheit umgebaut.


Das Brot ist nicht mehr beim Brot.

Die Pasta nicht mehr bei der Pasta.

Der Käse macht Ferien im hintersten Eck.


Wir laufen mit unserem Einkaufswagen durch die Gänge wie zwei Rentner ohne Einkaufszettel.


„War das Waschmittel schon immer hier?“

„Gab es diese Auswahl letztes Jahr schon?“

„Haben wir Halluzinationen oder war hier früher die Backwarenabteilung?“


Wir finden alles.

Ausser das, was wir suchen.

Wie symbolisch.

 


Warum wirken alle hier so ernst?


Und dann sind da die Menschen.


Oder besser gesagt: Ihre Gesichter.


Warum lächelt niemand?

Warum schauen alle so ernst?

Warum wirkt es, als hätten alle einen Termin beim Zahnarzt?


Nach einem Jahr mit Menschen, die dich einfach anlächeln, die Smalltalk machen, die dich fragen, wie dein Tag war, obwohl sie dich nie wieder sehen werden, fühlt sich die Schweiz plötzlich sehr reserviert an.


Niemand macht etwas falsch, aber irgendwie fehlt uns gerade diese Leichtigkeit.

Diese Herzlichkeit.

Dieses „Hey, schön bist du da.“


Vielleicht ist sie da.


Vielleicht sehen wir sie nur gerade nicht.

 


Autos, Auswahl und kompletter Overload


Und dann der Verkehr.


Heilige Scheisse.


Hatte es immer schon so viele Autos?


Ich habe das Gefühl, jeder Schweizer besitzt mindestens dreizehn davon.


Alle fahren irgendwohin.

Alle haben es eilig.

Alle wissen genau, wo sie hinmüssen.


Nur wir nicht.


Wir stehen an einem Fussgängerstreifen und überlegen kurz, ob wir wirklich rüber wollen oder lieber nochmal um die Welt fliegen.


Und diese Auswahl.


Meine Güte.


Zwölf Sorten Milch.

Vierzig Joghurts.

Achtzig Müesli.


Ich wollte einfach Frühstück, jetzt brauche ich einen Masterabschluss in Lebensmittelwissenschaften.

 


Reverse Culture Shock gibt es wirklich


Das Lustige ist: Wir wussten, dass es das gibt.


Reverse Culture Shock.


Davon liest man.


Davon erzählen andere Reisende.


Alle sagen: „Die Rückkehr wird schwieriger als die Abreise.“


Man nickt verständnisvoll.


Und denkt gleichzeitig: „Ach was. Uns passiert das sicher nicht.“


Nun ja, wie ihr seht: Doch.


In solchen Momenten fühlt man sich im eigenen Land ein bisschen wie ein Tourist.


Alles ist vertraut und gleichzeitig irgendwie fremd.


Ein komisches Gefühl.


Kein schlimmes, aber eines, das man nicht erklären kann, solange man es nicht selbst erlebt hat.



Was uns jetzt hilft


Deshalb haben Fabio und ich beschlossen, freundlich mit uns zu sein.


Uns Zeit zu geben.


Nicht zu erwarten, dass wir nach zwölf Monaten einfach wieder dort weitermachen, wo wir aufgehört haben.


Wir sagen Ja zu Einladungen.


Auch wenn wir manchmal lieber im Pyjama auf unseren Umzugskisten sitzen würden.


Wir entdecken unsere eigene Heimat wieder.


Mit offenen Augen.


Wir gehen spazieren.

An den See.

Probieren neue Cafés aus.

Lernen unsere neue Nachbarschaft kennen und wir versuchen, etwas von dem mitzunehmen, was uns das Reisen beigebracht hat.


Menschen anzulächeln.

Nicht immer alles so ernst zu nehmen.

Mehr zu staunen.

Mehr zu fragen.

Mehr zu geniessen.



Unsere Erkenntnis


Denn vielleicht ist das der eigentliche Sinn einer Weltreise.


Man verändert nicht die Welt, aber die Welt verändert uns. Wir können nur versuchen, dieses neue ICH mit nach Hause zu nehmen.


Auch wenn die Migros jetzt plötzlich den Käse woanders hingestellt hat.


Heilandsack!



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