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Reisebericht El Salvador: Vulkane, Pupusas und ein Land, das überrascht

  • Autorenbild: Livia Walker
    Livia Walker
  • 20. März
  • 5 Min. Lesezeit

Eine kurze, aber intensive Reise durch El Salvador. Drei Stationen: Santa Ana, Juayúa und San Salvador. Zwischen Kochkursen, Food-Festivals und bunten Marktständen lernten wir ein Land kennen, das viel mehr ist als sein Ruf.


Reisebericht über El Salvador


Ein kleines Land mit grossem Charakter


El Salvador war für uns eine dieser Reisen, bei denen man ohne grosse Erwartungen ankommt und mit vielen Eindrücken wieder geht.


Unser Weg führte uns durch drei Orte: Santa Ana, Juayúa und San Salvador. Keine lange Rundreise, eher ein kleiner Einblick. Aber genug Zeit, um lange im Gedächtnis zu bleiben. Neben Vulkanlandschaften, kleinen Dörfern und lebhaften Städten entdeckten wir vor allem eines: die Herzlichkeit der Menschen und natürlich die Liebe zum Essen.



Unsere Route


1. Santa Ana: Pupusas, Geschichten und ein erster Eindruck

Unsere Reise begann in Santa Ana, einer Stadt mit kolonialem Flair, bunten Häusern und einem entspannten Rhythmus.


Ein besonderes Highlight war unser Kochkurs für Pupusas, das wohl bekannteste Gericht des Landes. Aus Maisteig, gefüllt mit Käse, Bohnen oder Chicharrón, formten wir unsere ersten eigenen Pupusas. Klingt einfach, ist es aber nicht ganz. Der Teig muss genau richtig sein, die Füllung perfekt verteilt, und beim Braten darf nichts aufreissen.


Unsere Lehrerin zeigte uns geduldig jeden Schritt. Am Ende sassen wir mit der Familie gemeinsam am Tisch, probierten unsere Werke und waren uns sicher: Selbstgemacht schmecken sie gleich doppelt so gut.


Ein weiterer spannender Moment war eine Free Walking Tour durch die Stadt, allerdings nicht nur eine klassische Stadtführung, sondern eine kleine kulinarische Reise. Wir probierten verschiedene Spezialitäten des Landes, hörten Geschichten über Traditionen und lernten mehr über den Alltag der Menschen und die Vergangenheit des Landes mit der grossen Bandenkriminalität.


Nach drei Tagen wurde klar: Essen ist hier nicht nur Nahrung. Es ist Kultur, Begegnung und Gemeinschaft.

 

2. Juayúa: Ein Dorf, das nach Grill und Gewürzen duftet

Unsere nächste Station war das kleine Bergdorf Juayúa, Teil der bekannten Ruta de las Flores. Schon beim Ankommen lag ein besonderer Duft in der Luft. Der Grund: das berühmte Juayúa Food Festival, das jedes Wochenende stattfindet.


Der kleine Ort verwandelt sich dann in einen riesigen Open-Air-Food-Markt. Überall stehen Stände mit gegrilltem Fleisch, frischen Säften, Meeresfrüchten, Desserts und lokalen Spezialitäten. Die Auswahl war fast überwältigend. Riesige Grillplatten, auf denen Fleisch brutzelte, Teller voller Garnelen, bunte Getränke und Menschen, die lachend zwischen den Ständen hindurchschlenderten.


Ein kleines Abenteuer erlebten wir auch abseits des Festivals. Für einen Tag mieteten wir einen Roller, der sich allerdings eher als eine Art kleiner Töff herausstellte und überraschend unbequem war. Trotzdem war er perfekt, um die Gegend zu erkunden.


Wir fuhren entlang der Ruta de las Flores durch grüne Hügel, vorbei an Kaffeeplantagen und kleinen Dörfern. Unterwegs machten wir Halt in Apaneca und Concepción de Ataco.

Beide Orte wirkten wie kleine Farbtupfer in der Landschaft: bunte Häuser, kleine Cafés, Kunsthandwerk und eine ruhige Atmosphäre, in der man gerne einfach ein bisschen verweilt.

Gerade solche spontanen Ausflüge bleiben am Ende besonders in Erinnerung, auch wenn der Rücken nach einem Tag auf dem unbequemen Roller ein wenig protestiert.


Abseits des Festivals hat Juayúa eine ruhige, charmante Atmosphäre. Kleine Strassen, bunte Häuser, ein zentraler Platz und eine entspannte Gelassenheit, die sofort entschleunigt.

 

3. San Salvador: Stadtleben und Aufbruchsstimmung

Zum Abschluss unserer Reise ging es in die Hauptstadt San Salvador. Nach den kleineren Orten gab es einen Kontrast. San Salvador ist lebendig, laut und dynamisch. Verkehr, Hochhäuser, moderne Viertel und gleichzeitig traditionelle Märkte, alles liegt hier dicht nebeneinander.


Wir nutzten die Zeit, um durch verschiedene Viertel zu schlendern, das Stadtleben zu beobachten und noch einmal die Vielfalt des Landes zu spüren. Es war weniger eine klassische Sightseeing-Etappe, mehr ein Ankommen vor der Weiterreise.


Denn von hier aus geht es für uns weiter nach Nicaragua. San Salvador wurde damit zu einem Ort des Übergangs. Ein Moment zum Durchatmen, Sortieren der Eindrücke und Vorfreude auf das nächste Abenteuer.



Das Land und seine Menschen


Was uns an El Salvador besonders in Erinnerung geblieben ist, sind die Menschen. Freundlich, offen und oft neugierig.


Wer sich ein wenig mit der Geschichte von El Salvador beschäftigt, merkt schnell, dass dieses Land eine schwere Vergangenheit trägt. Über viele Jahre prägten Bandenkriminalität, Gewalt und Unsicherheit den Alltag vieler Menschen. Ganze Viertel galten als tabu, nach Einbruch der Dunkelheit unterwegs zu sein war unvorstellbar, und Eltern lebten mit der ständigen Sorge um ihre Kinder. Der Name des Landes war international oft eng mit Angst und Kriminalität verbunden.


Doch in den letzten Jahren hat sich spürbar etwas verändert. Durch umfassende Massnahmen der Regierung unter Präsident Nayib Bukele gegen die mächtigen Banden, insbesondere gegen Gruppen wie MS-13 und Barrio 18, hat sich die Sicherheitslage im Land deutlich verbessert.


Heute erzählen uns viele Einheimische, wie sehr sich ihr Alltag verändert hat. Orte, die früher gemieden wurden, sind wieder voller Leben. Menschen sitzen abends vor ihren Häusern, Familien schlendern durch die Strassen, und Kinder spielen wieder auf Plätzen, die lange Zeit still und leer waren.


Was uns besonders bewegt hat, war der Stolz, mit dem viele Salvadorianerinnen und Salvadorianer über diese Entwicklung sprechen. Gespräche darüber entstehen oft ganz spontan und fast immer mit einem Lächeln. Man spürt, dass diese Veränderung für viele Menschen weit mehr ist als nur eine politische Entwicklung. Es ist ein Stück zurückgewonnene Freiheit.


Gleichzeitig haben wir gemerkt, dass die Menschen hier sehr genau wissen, dass noch nicht alles perfekt ist. Niemand tut so, als seien alle Probleme plötzlich verschwunden. Doch gerade deshalb wird das, was sich verbessert hat, umso bewusster wahrgenommen. Viele sagen, dass sie heute Dinge erleben, die lange Zeit kaum vorstellbar waren. Sie erzählten uns, dass sie ihr Land heute mit neuen Augen sehen, mit Hoffnung, mit Stolz und mit dem Gefühl, dass sich etwas bewegt.


Für uns als Reisende war genau das vielleicht der eindrücklichste Moment in El Salvador: ein Volk kennenzulernen, das eine schwere Vergangenheit kennt und trotzdem mit erstaunlich viel Hoffnung und Zuversicht nach vorne blickt.



Unsere Tipps für deine Reise


💡 1. Probiere so viele Pupusas wie möglich.

Jede Pupusería macht sie ein bisschen anders und jede Variante lohnt sich.


💡 2. Plane ein Wochenende in Juayúa ein.

Das Juayúa Food Festival ist ein Erlebnis für alle Sinne.


💡 3. Mach eine Food-Tour oder einen Kochkurs.

Du lernst ein Land oft am besten über seine Küche kennen.


💡 4. Bleib offen für Gespräche.

Die Menschen sind herzlich, oft entstehen die schönsten Momente spontan.


💡 5. Unterschätze das Land nicht.

Zugegeben, zuerst hatten wir einige Bedenken, besonders bezüglich der Sicherheit. Aber El Salvador überrascht viele Reisende (und so auch uns) positiv.



Fazit El Salvador: klein, intensiv und voller Geschmack


Unsere Zeit in El Salvador war kurz, aber eindrucksvoll. Zwischen frisch gebratenen Pupusas, duftenden Marktständen und kleinen Begegnungen entlang unserer Route haben wir ein Land erlebt, das lebendig, stolz und unglaublich gastfreundlich ist.


Ja, wir haben nicht jeden Winkel gesehen, aber wir haben genug erlebt, um zu wissen: El Salvador ist ein Ort, der Reisende überrascht.



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