Das Ende unserer Weltreise rückt näher: Warum Buenos Aires mich kalt erwischte
- Livia Walker

- 22. Mai
- 3 Min. Lesezeit
Elf Monate. ELF. Monate Weltreise.
Ganz ehrlich, ich weiss noch genau, wie wir am Anfang dachten: „Wow. Ein ganzes Jahr. Das ist ja praktisch ein kleines Leben.“
Und jetzt sitze ich hier in Buenos Aires, unserer letzten Station in Südamerika, trinke einen viel zu starken Kaffee und merke: Das kleine Leben ist plötzlich fast vorbei.

Noch nicht ganz, zum Glück. Wir haben noch ein paar Wochen. Aber das Ende ist nah genug, dass mein Gehirn angefangen hat, emotional schwierig zu werden.
Denn nach Südamerika geht’s zurück nach Europa. Und Europa klingt gefährlich nach Heimweg.
Schritt für Schritt statt schnell
Nicht sofort Heimweg, ganz bewusst nicht. Wir wollten nie einfach am Flughafen Zürich landen, komplett überfordert und plötzlich wieder so tun, als hätten wir die letzten zwölf Monate nicht mit Rucksack, Busfahrten und spontanen Krisen verbracht.
Wir wollten langsam zurück. Europa entdecken. Uns Zeit lassen. Noch ein bisschen reisen, bevor aus „Weltreise“ wieder „normaler Alltag“ wird. Und trotzdem hat mich diese Erkenntnis hier in Buenos Aires komplett kalt erwischt.
Vielleicht, weil diese Stadt ein bisschen nach Abschied ruft. Vielleicht, weil plötzlich alles „das letzte Mal“ ist.
Das letzte südamerikanische Hostel. Die letzte Busfahrt, bei der man gleichzeitig betet und versucht zu schlafen. Das letzte Mal Jetlag wie ein Vollzeitjob.
Und zwischen Empanadas, hupenden Taxis und diesem ewigen Buenos-Aires-Gewusel sitzt plötzlich dieser Gedanke in meinem Kopf: „Oh Gott. Das hier endet wirklich.“
Fabios Sichtweise
Fabio sieht das übrigens KOMPLETT anders.
Also wirklich komplett.
Während ich innerlich emotional in Zeitlupe zusammenfalle, läuft dieser Mann durch Buenos Aires wie jemand, der mental schon halb wieder in der Schweiz arbeitet.
Und wisst ihr was? Er freut sich.
SEHR sogar.
Nicht so ein: „Ja wird auch schön zuhause.“
Nein. Eher so: „ICH BIN BEREIT.“
Fabio hätte ehrlich gesagt kein Problem damit, wenn wir heute direkt zum Flughafen fahren würden. Und bevor ihr euch jetzt fragt, geb ich schnell Entwarnung. Er hat die Weltreise geliebt. Er würde keinen einzigen Moment missen wollen.
Aber er sagt Dinge wie: „Es ist Zeit zurückzukehren.“
Oder: „Ich will wieder arbeiten.“
Und mein persönlicher Favorit: „Ich will wieder Aufgaben haben.“
AUFGABEN. Freiwillig.
Ich schaue ihn dann immer an, als hätte er gerade gesagt, dass seine Leidenschaft Excel-Tabellen und Behördentelefonate sind.
Aber er meint es ernst.
Er freut sich auf Rhythmus. Auf Struktur. Auf berufliche Herausforderungen. Darauf, morgens irgendwo hinzugehen, wo man nicht zuerst herausfinden muss, wie die Dusche funktioniert oder warum die Küchentür nur aufgeht, wenn man gleichzeitig dagegen tritt.
Meine Sichtweise
Und ich? Ich beneide ihn darum.
Wirklich.
Weil es in meinem Kopf komplett anders aussieht.
Ich könnte noch weiterreisen. Locker.
Noch mehr Länder. Noch mehr chaotische Busbahnhöfe. Noch mehr Momente, in denen Fabio irgendwo auf einem Hügel auf mich wartet, während ich versuche herauszufinden, ob ich gerade Höhenkrankheit habe oder einfach nur Hunger.
Ich könnte noch mehr Abenteuer vertragen. Noch mehr „Was essen wir heute?“. Noch mehr Leben aus dem Rucksack.
Möglicherweise, weil Reisen irgendwann nicht mehr wie Ferien wirkt, sondern wie das echte Leben.
Einfach mit mehr Sonnenuntergängen und weniger Wäschekörben. Also genau mein Stil.
Und das macht dieses Ende gerade so schwierig für mich.
Emotionen sind okay
Ich weiss: Es ist normal, traurig zu sein.
Wenn sich das Schönste, das einem je passiert ist, langsam dem Ende zuneigt, wäre es ja irgendwie komisch, komplett emotionslos zu bleiben.
Aber trotzdem wünschte ich manchmal, ich könnte das alles ein bisschen lockerer sehen. Ein bisschen mehr wie Fabio.
So nach dem Motto: „War mega. Und jetzt kommt halt das Nächste.“
Bei mir ist es eher: „WARTE, KÖNNEN WIR NICHT EINFACH FÜR IMMER WEITERREISEN?“
Was natürlich leicht romantisch klingt, bis man bedenkt, dass ich seit elf Monaten aus denselben fünf Kleidungsstücken lebe und mein Rücken inzwischen beim Anblick von Hostelbetten vorsorglich kündigt.
Ich hoffe, es wird einfacher, sobald wir in Europa sind. Vielleicht kommt dann auch das Heimweh. Möglicherweise sitze ich irgendwann irgendwo in Italien und denke plötzlich:
„Okay. Jetzt freue ich mich wirklich auf Zuhause.“
Wer weiss.
Fazit
Im Moment fühlt sich Zuhause einfach noch wahnsinnig weit weg an. Und gleichzeitig erschreckend nah.
Übrigens hat selbst Elisabeth die Situation mittlerweile verstanden.
Ja. Das kleine gehäkelte Alpaka reist natürlich immer noch mit uns herum (und an dieser Stelle danke an alle, die nachgefragt haben).
Und während ich gestern emotional leicht angeschlagen unseren nächsten Flug nach Europa angeschaut habe, sass sie einfach völlig entspannt auf meinem Rucksack.
Dieser Blick. Komplett emotional stabil. Komplett unbeeindruckt.
Als würde sie sagen: „Beruhig dich. Du wirst auch in Europa noch genug Zeit für Drama haben können.“
Fair point, Elisabeth. Wirklich fair point.




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