Weltreise als Paar: Kommt danach die Trennung?
- Livia Walker

- 22. Juli
- 3 Min. Lesezeit
Es gibt da diese Frage, die einige Leute uns seit Monaten stellen.
Mal vorsichtig.
Mal neugierig.
Mal mit diesem leicht sensationgeilen Unterton, als würden sie auf eine Reality-TV-Eskalation hoffen.
„Und?“
„Seid ihr noch zusammen?“
Oder mein persönlicher Favorit: „Eine Weltreise als Paar… puh. Das überlebt ja nicht jede Beziehung.“

Und ich verstehe es ja irgendwie.
Denn jetzt mal ehrlich?
Es gab Momente, da hätten Fabio und ich uns gegenseitig problemlos auf den Mond schiessen können.
Ohne Rückflugticket.
Und um es gleich klarzustellen: Das war bestimmt niemals böse gemeint, es passierte einfach aus Erschöpfung.
Romantik trifft Realität auf einer Weltreise als Paar
Man stellt sich eine Weltreise als Paar immer wahnsinnig romantisch vor.
Wir wurden schliesslich alle ein bisschen von schnulzigen Liebesfilmen konditioniert. Dort gibt es Sonnenuntergänge, Küsse im Regen und wunderschöne Hintergrundmusik.
Die Realität?
Einer muss dringend aufs Klo.
Der andere hat Hunger.
Beide haben seit drei Tagen dieselben Kleider an.
Und in Peru diskutiert man auf 4000 Metern Höhe darüber, wer jetzt schon WIEDER das Kleingeld im Hotel vergessen hat.
Lasst euch gesagt sein: Liebe zeigt sich, wenn ihr seit 14 Stunden in einem klapprigen Bus sitzt, der verdächtig nach nassen Socken riecht, und euch trotzdem noch entscheidet, euch nicht gegenseitig aus dem Fenster zu werfen.
Das ist wahre Intimität.
Leider.
Eine Weltreise zeigt den echten Menschen
Und ich meine wirklich die ECHTE Version.
Packt die „Wir gehen schön essen und sind beide ausgeschlafen“-Version ein.
Auf Weltreise zeigt sich die:
- „Ich habe Höhenkrankheit und rede jetzt mit niemandem mehr“-Version.
- „Ich habe Hunger und werde irrational aggressiv“-Version.
- „Ich habe seit 3 Tagen nicht richtig geschlafen und weiss nicht mehr, wer ich bin“-Version.
Man sieht plötzlich alles.
Wie jemand mit Stress umgeht.
Wie geduldig jemand wirklich ist.
Wie viele Nerven ein Mensch verlieren kann, weil man den Reisepass kurz nicht findet.
Übrigens überraschend viele.
Und irgendwann gibt es keinen Platz mehr für dieses perfekte Bild, das man am Anfang vielleicht voneinander hatte.
Nur noch Realität.
Diese schonungslose, ungeschminkte, teilweise leicht verschwitzte Realtität.
Geduldsproben und verschiedene Persönlichkeiten
Fabio hat Versionen von mir erlebt, die nicht mal ich kannte.
Die übermüdete Version.
Die Drama-Queen-Version.
Die „ich habe grad übelst PMS und rede nur noch in passiv-aggressiven Kommentaren“-Version.
Und ich wiederum kenne inzwischen diesen Blick von ihm.
Diesen ganz bestimmten Blick.
Den: „Ich liebe dich wirklich sehr, aber wenn du jetzt noch EINMAL sagst, dass du weisst wo wir lang müssen obwohl du offensichtlich keinen Plan hast, verliere ich den Verstand.“
Und wisst ihr was?
Genau das schweisst zusammen.
Weil man irgendwann merkt: Okay, das hier ist keine Ferienromanze mehr. Das ist echtes Leben.
Mit Jetlag, Magenproblemen, falschen Abbiegungen, Outfit-Krisen und Diskussionen darüber, ob man wirklich drei verschiedene Snacks für eine Busfahrt braucht. (Ich sage ja. Fabio sagt nein. Wie immer.)
Elisabeth, unsere heimliche Paartherapeutin
Und dann gibt es natürlich noch Elisabeth.
Unser gehäkeltes Alpaka-Kind.
Emotionale Stütze.
Dritte Reisebegleitung.
Stille Zeugin jeder kleinen Beziehungskrise.
Elisabeth sass zwischen uns in Bussen.
War dabei, wenn wir genervt waren.
Hat miterlebt, wie wir wegen absolut dummen Dingen diskutiert haben, nur um fünf Minuten später wieder gemeinsam zu lachen.
Und jetzt mal ernsthaft, Freunde?
Wenn eine Beziehung einen gemeinsamen gehäkelten Alpaka-Maskottchen-Alltag überlebt, dann ist das vermutlich ein gutes Zeichen.
Oder ein sehr seltsames.
Vielleicht beides.
Also... kommt nach der Weltreise die Trennung?
Ja.
Schon irgendwie.
Aber nicht voneinander.
Eher von diesem alten Ballast.
Von Erwartungen.
Von diesem Gefühl, immer funktionieren zu müssen.
Von der Vorstellung, dass Liebe immer leicht aussehen muss.
Nach einem Jahr Weltreise bleibt irgendwann nur noch das übrig, was echt ist.
Und entweder das reicht, oder eben nicht.
Bei uns reicht es.
Sogar dann, wenn ich zu langsam laufe, Fabio zu schnell ist und Elisabeth emotional inzwischen vermutlich mehr Stabilität hat als wir beide zusammen.
Und ich glaube, genau das ist Liebe: Jemanden in seiner chaotischsten, müdesten, genervtesten Version zu sehen und trotzdem gemeinsam weiterzugehen.
Auch wenn einer davon unterwegs wahrscheinlich noch kurz Schokolde kaufen muss.




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