Die Schweiz hat Geburtstag und wir sehen unsere Heimat nach der Weltreise mit ganz neuen Augen
- Livia Walker

- 1. Aug.
- 3 Min. Lesezeit
Ein Jahr unterwegs hat gereicht, um uns zu zeigen: Zuhause ist mehr als ein Ort.
Zum 1. August feiern wir die Schweiz dieses Jahr mit einer grossen Portion Dankbarkeit und einem ehrlichen Blick auf das, was dieses kleine Land so besonders macht.
Früher war der 1. August für uns vor allem eines: ein freier Tag.
Bratwurst auf dem Grill. Ein paar Höhenfeuer in den Bergen. Kinder, die mit Lampions durchs Dorf spazieren. Irgendwann knallt das erste Feuerwerk, der Hund des Nachbarn bekommt die Krise und am nächsten Morgen riecht die ganze Schweiz nach verbranntem Schwarzpulver.
Schön, aber irgendwie auch einfach selbstverständlich.

Dieses Jahr fühlt sich der Nationalfeiertag anders an.
Wir feiern den Geburtstag eines Landes, das wir ein Jahr lang nur aus der Ferne kannten. Und Leute, diese Distanz hat etwas verändert.
Während unserer Weltreise haben wir unzählige Orte entdeckt, in denen wir uns wohlgefühlt haben. Wir haben Menschen getroffen, die uns mit offenen Armen empfangen haben. Wir haben Landschaften gesehen, bei denen selbst die schönsten Schweizer Postkarten kurz Konkurrenz bekamen.
Und trotzdem gab es diesen Moment, als wir wieder über die Grenze gefahren sind.
Ein tiefes Durchatmen.
Dieses Gefühl von: Ah. Zuhause.
Warum wir die Schweiz nach unserer Weltreise mehr schätzen
Erst wenn man lange weg ist, merkt man, wie viel man vorher übersehen hat.
Dass Wasser aus jedem Brunnen fliessen kann und es sogar noch trinkbar ist.
Dass ein Zug meistens tatsächlich dann kommt, wenn er laut Fahrplan kommen sollte.
Dass man nachts alleine durch ein Dorf laufen kann, ohne sich ständig umzudrehen.
Dass unser Pass an Flughäfen meistens eher ein Türöffner als ein Hindernis ist.
Vor allem aber haben wir verstanden, wie unglaublich viel Glück in einem einzigen Zufall steckt.
Dem Zufall, wo wir geboren wurden.
Darauf haben wir keinen Einfluss.
Wir haben einfach verdammt grosses Glück gehabt.
Stolz auf die Schweiz
Sobald in der Schweiz jemand sagt, dass er unser Land toll findet, wird es manchmal ein bisschen komisch.
"Oh, jetzt wird's patriotisch."
Als müsste man sich sofort rechtfertigen. Dabei kann man stolz auf seine Heimat sein, ohne andere Länder schlechtzureden. Dankbarkeit funktioniert schliesslich nicht wie eine Rangliste.
Wir haben auf unserer Reise wunderschöne Länder kennengelernt. Orte, an die wir jederzeit zurückkehren würden. Menschen, die mit viel weniger besitzen und trotzdem eine Lebensfreude ausstrahlen, von der wir uns ruhig eine Scheibe abschneiden dürfen.
Und genau deshalb fällt es uns heute leichter zu sagen: Die Schweiz macht unglaublich vieles richtig.
Perfekt ist sie deshalb noch lange nicht, aber sie ist SEHR lebenswert.
Die Schweiz bietet Chancen und fordert gleichzeitig viel
Während unserer Reise haben wir oft darüber gesprochen, wie viele Möglichkeiten wir zuhause eigentlich haben.
Wer bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, sich weiterzubilden und dranzubleiben, kann hier unglaublich viel erreichen.
Natürlich starten Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen ins Leben.
Natürlich spielt auch hier wieder Glück eine Rolle.
Und trotzdem eröffnet dieses Land Chancen, von denen viele Menschen weltweit nur träumen können.
Dafür sind wir dankbar.
Gleichzeitig haben wir nach unserer Rückkehr gemerkt, wie schnell man hier wieder ins Funktionieren rutscht.
Kaum fährt der Zug ein, geht das Kopfkino los.
Mails beantworten.
Versicherungen regeln.
Termine koordinieren.
Steuererklärung.
Wohnung.
Arbeit.
Der Kalender füllt sich schneller, als der Jetlag verschwindet.
Unterwegs konnten wir stundenlang auf einen Bus warten, ohne uns darüber aufzuregen. Heute verlieren wir manchmal schon die Geduld, wenn die Kaffeemaschine etwas länger zum Aufheizen braucht.
Das ist schon verrückt.
Was wir von der Weltreise mit nach Hause nehmen
Die Weltreise hat uns verändert.
Sie hat uns gezeigt, dass Glück nicht automatisch mit Geld zusammenhängt.
Dass Zeit oft wertvoller ist als Dinge.
Dass Menschen fast überall auf der Welt dieselben Wünsche haben: Gesundheit, Sicherheit und jemanden, mit dem sie das Leben teilen können.
Sie hat uns aber auch gezeigt, wie gut es sich anfühlt, nach Hause zu kommen.
Nicht, weil die Schweiz besser wäre als alle anderen Länder, sondern weil sie unser Zuhause ist.
Weil hier unsere Familie lebt.
Unsere Freunde.
Unsere Erinnerungen.
Und weil wir heute vieles sehen, worüber wir früher einfach hinweggegangen sind.
Zum 1. August sagen wir deshalb einfach: Danke, Schweiz!
Nein, wir werden heute keine überdimensionierte Schweizer Fahne aus dem Fenster hängen.
Wir werden wahrscheinlich auch keine patriotische Rede halten.
Aber wir werden dankbar sein.
Dankbar dafür, in einem Land leben zu dürfen, das uns Sicherheit gibt.
Das uns Freiheiten schenkt.
Das uns Möglichkeiten bietet.
Und das die Schweiz nach einem Jahr voller Abenteuer genau der Ort ist, an den wir zurückkehren wollten.
Die Welt hat uns unzählige wunderschöne Plätze gezeigt. Sie hat uns aber auch eines gelehrt: Manchmal muss man einmal um die Welt reisen, um zu merken, wie schön das Zuhause eigentlich ist.
Alles Gute zum Geburtstag, Schweiz.
Du bist zwar klein, aber ziemlich grossartig.




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