Zurück im Alltag nach Weltreise: Wo ist eigentlich die Zeit geblieben?
- Livia Walker

- 22. Aug.
- 3 Min. Lesezeit
Wir stehen morgens um sechs Uhr auf.
Sechs Uhr.
Zu einer Uhrzeit, zu der wir auf Weltreise höchstens überlegt haben, ob wir heute überhaupt frühstücken oder einfach noch eine Stunde schlafen.
Jetzt stehen wir auf, ziehen uns an und verlassen das Haus.
Und kommen teilweise erst nach 19 Uhr wieder zurück.
Dann essen wir gemeinsam.
Und danach? Tja.
Unsere Energie reicht meistens noch für duschen, ein bisschen über den Tag reden, vielleicht eine Folge irgendeiner Serie schauen und dann wieder ab ins Bett.
Denn: Morgen klingelt der Wecker wieder.
Um sechs Uhr.
Herrlich.

Wir lieben unsere Jobs
Das Ganze ist ja nicht einmal so, dass wir jeden Abend nach Hause kommen und denken: "Was für ein Scheissjob."
Im Gegenteil.
Wir machen unsere Arbeit gerne.
Wir freuen uns, wieder etwas aufzubauen, Verantwortung zu übernehmen, Kollegen zu sehen und einen normalen Alltag zu haben.
Nur hat dieser normale Alltag offenbar ein kleines Detail vergessen: Wann genau sollen wir eigentlich leben?
Wir haben gerade manchmal das Gefühl, dass wir den ganzen Tag arbeiten, nach Hause kommen, essen, duschen, schlafen und wieder von vorne anfangen.
Und irgendwo dazwischen versuchen wir, unser Leben unterzubringen.
Freunde treffen? Klar.
Sport? Gerne.
Familie sehen? Unbedingt.
Haushalt? Leider ja.
Zeit als Paar? Auch wichtig.
Und dann gibt es noch diesen kleinen Punkt namens Schlafen.
Der nimmt erstaunlich viel Zeit in Anspruch.
Auf Weltreise war Zeit einfach da
Das Verrückte ist: Wir hatten ein Jahr lang das komplette Gegenteil.
Wir konnten morgens aufstehen und überlegen, was wir heute machen.
Wir konnten spontan irgendwo einen Kaffee trinken.
Noch einen Spaziergang machen.
Einen Sonnenuntergang anschauen.
Einfach sitzen.
Wir hatten Zeit für Gespräche.
Zeit füreinander.
Zeit zum Leben.
Jetzt haben wir einen Kalender.
Und dieser Kalender sieht aus, als hätte jemand beim Ausfüllen kurz die Kontrolle verloren.
Montag: Arbeit.
Dienstag: Arbeit.
Mittwoch: Arbeit.
Donnerstag: Arbeit.
Freitag: Arbeit.
Und dann kommt das Wochenende.
Endlich!
Ah. Moment.
Einer arbeitet am Samstag.
Und plötzlich ist auch das Wochenende halbiert.
Super.
Wir sind doch erst gerade wieder zurück
Ich glaube, das ist gerade unsere grösste Umstellung.
Wir haben ein Jahr lang gelernt, mit wenig Besitz zu leben.
Mit wenig Plan.
Mit wenig Sicherheit.
Mit viel Abenteuer.
Jetzt müssen wir wieder lernen, mit Zeit umzugehen.
Oder besser gesagt: Mit verdammt wenig davon.
Manchmal ist das richtig frustrierend.
Denn wir wollen ja nicht einfach funktionieren.
Wir wollen leben.
Wir wollen gemeinsam essen, Freunde treffen, unsere Familien sehen, Sport machen, spontan irgendwohin fahren, unsere Wohnung geniessen, an unseren Projekten arbeiten, neue Pläne schmieden und einfach zwischendurch auch mal nichts machen.
Und dann ist es plötzlich 22.00 Uhr.
Und wir sitzen beide auf dem Sofa.
Müde.
Sehr müde.
Einer sagt: „Wir sollten langsam ins Bett.“
Der andere: „Ja.“
Und beide wissen: Wir haben uns heute eigentlich kaum gesehen.
Obwohl wir den ganzen Tag aufeinander gefreut haben
Wir gegen den Alltag
Auf Reisen waren wir ein ziemlich gutes Team.
Flug gestrichen? Gemeinsam lösen.
Unterkunft des Grauens? Gemeinsam fliehen.
Bus verpasst? Gemeinsam fluchen.
Jetzt sind die Probleme kleiner.
Dafür sind sie täglich da.
Wer kauft ein?
Wer kocht?
Wer macht die Wäsche?
Wann sehen wir unsere Freunde?
Wann besuchen wir die Familie?
Wann haben wir Zeit für uns?
Und vor allem: Wann haben wir eigentlich Zeit als Paar?
Wir wollen daraus kein Drama machen.
Wir lieben uns.
Wir streiten deshalb auch nicht plötzlich.
Wir merken einfach, dass der Alltag unglaublich schnell werden kann.
Und dass man aufpassen muss, dass man darin nicht einfach mitläuft.
Dass aus „Wir leben zusammen“ irgendwann „Wir organisieren gemeinsam unseren Kalender“ wird.
Das wollen wir nicht.
Deshalb versuchen wir gerade bewusst gegenzusteuern.
Wir planen Zeit füreinander ein.
Wir freuen uns über kleine Dinge.
Wir lassen auch mal fünf gerade sein.
Die Wohnung muss nicht aussehen wie im Möbelkatalog.
Das Abendessen darf aus Pasta bestehen.
Und manchmal ist gemeinsame Zeit einfach: duschen, ins Bett fallen und noch zehn Minuten darüber reden, was heute eigentlich alles passiert ist.
Aber jetzt mal ehrlich...
Wir sind gerade erst wieder zurück.
Wir müssen uns an Arbeit, Termine, Verpflichtungen und diesen völlig verrückten Gedanken gewöhnen, dass man angeblich jede Woche fünf Tage lang früh aufstehen soll.
Wir lernen noch.
Und wahrscheinlich gehören müde Abende genauso dazu wie spontane Sonntage, kleine Auszeiten und die Momente, in denen wir es tatsächlich schaffen, vor 20 Uhr gemeinsam auf dem Sofa zu sitzen.
Aber eine Frage haben wir trotzdem: Leute, ernsthaft. Wie macht ihr das?
Wie schafft ihr es, zu arbeiten, Beziehungen zu führen, Freunde zu treffen, Familien zu sehen, Sport zu machen, den Haushalt irgendwie am Leben zu halten und dabei selbst noch ein bisschen zu leben?
Wir hätten gerne eure Geheimnisse.
Oder zumindest eine zusätzliche Stunde pro Tag.
Die darf gerne morgen schon auf unserem Kalender stehen.




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