Was wir vom japanischen Kaizen-Prinzip lernen können
- Livia Walker

- vor 2 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Wie ihr wisst, sind wir gerade auf Weltreise. Aktuell: Japan. Und falls du jetzt denkst: „Wow, spirituelle Erleuchtung, Zen und so“, nein. Wirklich nein. Wir verstehen nur Bahnhof, wenn etwas nicht auf Englisch angeschrieben ist, bestellen Essen, ohne zu wissen, was wir bekommen, und staunen über Getränkeautomaten, die mehr Auswahl haben als mancher Supermarkt.
Und genau hier sind wir über ein Wort gestolpert, das uns hängen geblieben ist: Kaizen.

Kaizen. Klingt ein bisschen wie ein neues Sushi-Restaurant oder eine exotische Yoga-Pose, bei der man sich verknotet und dabei „Om“ murmelt. Ist es aber nicht. Kaizen ist ein japanisches Prinzip und bedeutet so viel wie „Veränderung zum Besseren“. Aber nicht extrem, nicht überambitioniert und schon gar nicht mit Neujahrsvorsätzen. Sondern: in kleinen Schritten.
Gross denken ist überbewertet
Wir Menschen lieben ja grosse Pläne. Wirklich. „Ab morgen stehe ich jeden Tag um 5 Uhr auf, meditiere 30 Minuten, trinke Selleriesaft, laufe 10 Kilometer und werde nebenbei ein besserer Mensch.“
Die Realität: Werden wir nicht. Zumindest nicht länger als drei Tage.
Kaizen sagt: Lass das. Stattdessen: Mach es so klein, dass es fast lächerlich ist.
Nicht „Ich gehe jetzt regelmässig joggen“, sondern: „Ich ziehe mir die Laufschuhe an.“ Mehr nicht. Wenn du dann noch rausgehst, Bonuslevel. Wenn nicht: Schuhe anziehen ist auch schon ein Fortschritt.
Kaizen passt perfekt in den Alltag (und ins Reisechaos)
Vielleicht liegt es daran, dass wir gerade unterwegs sind, aber Kaizen fühlt sich extrem alltagstauglich an. Kein perfektes Setup nötig. Kein ideales Umfeld. Nur du und ein minimaler Schritt.
Ein paar Beispiele aus dem echten Leben, nicht aus einem Hochglanz-Ratgeber:
Ordnung: Nicht „Ich räume die ganze Wohnung auf“, sondern: eine Schublade. Eine! Und danach kurz innerlich applaudieren.
Bewegung: Nicht „Ab jetzt jeden Tag Sport“, sondern: fünf Kniebeugen. Ja, fünf. Nein, niemand zählt mit.
Gesundheit: Nicht „Ich ernähre mich jetzt superclean“, sondern: ein Glas Wasser mehr. Revolutionär? Nein. Effektiv? Absolut.
Kaizen ist wie dieser eine weise japanische Mönch, der sagt: „Mach dir keine Sorgen. Du kommst auch so an.“
Die unterschätzte Wirkung der Mini-Gewohnheiten
Unser Gehirn ist eine kleine Drama-Queen. Es hasst Veränderung. Aber es liebt Gewohnheiten. Kaizen trickst es aus, indem es sagt: „Keine Sorge, wir machen hier quasi nichts.“ Und genau deshalb funktioniert es.
Aus Mini-Schritten werden Routinen. Aus Routinen wird irgendwann ein neues Normal. Ganz ohne Selbstoptimierungs-Burnout.
Oder anders gesagt: Du musst dein Leben nicht umkrempeln. Du musst nur regelmässig ein bisschen dran zupfen.
Kaizen heisst auch: gnädig mit sich selbst zu sein
Was wir an Kaizen besonders mögen: Es ist erstaunlich unscheinbar. Kein Hustle, kein „higher, faster, better“.
Kaizen erlaubt schlechte Tage. Kaizen erlaubt Chaos. Kaizen erlaubt dir, nicht perfekt zu sein, sondern einfach weiterzumachen.
Und ganz ehrlich: Das fühlt sich gerade hier in Japan sehr stimmig an. Alles wirkt durchdacht, ruhig, kontinuierlich. Nicht laut. Nicht hektisch. Einfach… beständig.
Wie du heute anfangen kannst (ohne dein Leben umzukrempeln)
Ganz Kaizen-like kommt jetzt kein 10-Punkte-Plan. Stattdessen nur diese Frage: Was ist die kleinstmögliche Verbesserung, die ich heute machen kann?
Nicht morgen. Nicht nächste Woche. Heute.
Vielleicht:
2 Minuten frische Luft
1 freundlicher Gedanke über dich selbst
1 Sache erledigen, die du seit Tagen vor dir herschiebst
Und dann hör auf. Wirklich. Mehr brauchst du nicht.
Fazit: kleine Schritte, grosse Wirkung
Kaizen ist keine Wunderformel. Es ist eher wie Zähneputzen fürs Leben: unspektakulär, aber auf Dauer enorm wirkungsvoll. Du musst nicht alles ändern. Du musst nur anfangen. Klein, ehrlich und regelmässig.
Und falls morgen wieder nichts klappt: Bleib ruhig. Kaizen wartet geduldig. Japanisch höflich. Ohne Druck.
Für uns ist das eine wichtige Lektion, die wir von unserer Japanreise mitnehmen. Und wer weiss, vielleicht konnten wir dich damit ja auch ein bisschen inspirieren.





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