Meine Eltern, die heimlichen Superhelden
- Livia Walker

- vor 6 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Es gibt Menschen, die sind so selbstverständlich ein Teil deines Lebens, dass du manchmal vergisst, wie aussergewöhnlich sie eigentlich sind. Menschen, die dich mit einer Mischung aus Liebe, Geduld und dem heiligen Elixier namens „Wir schaffen das schon“ durchs Leben tragen. Unscheinbare Superhelden. Bei mir sind das meine Eltern.

Je älter ich werde (besonders seit ich die 30er Marke geknackt habe), desto klarer wird mir: Ich habe ein verdammtes Jackpot-Los gezogen.
Sie haben mich immer unterstützt, wirklich immer
Manche Eltern unterstützen ihre Kinder so… na ja, „theoretisch“. So ein bisschen: „Wir sind für dich da, aber bitte nicht zu spontan, zu verrückt oder zu anstrengend.“
Meine Eltern? Die sind das komplette Gegenteil.
Wenn ich mit einer neuen Idee um die Ecke komme, egal ob sinnvoll, waghalsig oder irgendwo im „Was zur Hölle“-Spektrum, nicken sie. Erst skeptisch, dann liebevoll, und dann fangen sie an mitzudenken und zu überlegen. Sie glauben an mich, selbst in Momenten, in denen ich selber eher zweifle.
Sie haben mich begleitet, ermutigt, aufgefangen und weitergeschoben. Und wenn sie sich grosse Sorgen gemacht haben, haben sie oft einfach nur vorsichtig gefragt, ob ich mir denn ganz sicher bin (Elternpflichten, hihi).
Vor der Weltreise: Ein Zuhause im Zuhause
Bevor wir auf unsere Weltreise gestartet sind, Fabio und ich, mitten in Vorfreude, Chaos, Wohnung auflösen und einer To-do-Liste, die länger war als unser Rucksack, durften wir sogar wieder bei ihnen einziehen. Ganze sechs Wochen.
Und wisst ihr was? Sie haben uns nicht nur eine Tür geöffnet. Sie haben uns ein Nest gebaut.
Ein warmes, gemütliches, „Fühlt euch einfach wohl“-Nest. Ein „Ihr könnt hier jederzeit gammeln, überlegen, packen, umpacken, nochmal umpacken“-Nest. Ein Nest voller Liebe, gutem Essen und dem typischen elterlichen: „Habt ihr eigentlich genug Schlaf bekommen?“
Diese sechs Wochen haben uns getragen. Ermutigt. Aufgeladen. Sie standen uns immer zur Seite, mit Geduld und praktischen Tipps.
Ihre Art von Sicherheit: Ein Zimmer das für immer bleibt
Es ist ein seltsames Gefühl, sein Leben in Rucksäcke zu packen und für ein Jahr in die Welt zu ziehen. Freiheit, ja. Abenteuer, ja. Aber irgendwo ist auch ein kleiner Knoten im Bauch. Wir haben schliesslich alles aufgegeben in der Schweiz.
Und genau da kommen sie wieder ins Spiel, meine Eltern.
Sie haben uns immer wieder gesagt: „Wenn etwas schief geht, wenn ihr euch unwohl fühlt, wenn irgendwas passiert, kommt einfach heim. Ohne Fragen. Ohne Erklärungen. Ohne Stress.“
Und das ist nicht nur so daher gesagt. Sie MEINEN das.
Wir haben bei ihnen ein Zimmer. Ein Zimmer, das bleibt. Ein Zimmer, das immer uns gehört. Ein Zimmer, das nach Zuhause riecht. Ein Zimmer, das ein Stück Herz ist.
Es ist schwer zu erklären, wie viel das bedeutet, wenn man gerade am anderen Ende der Welt steht. Aber dieser Gedanke, dass da ein Ort ist, der uns immer auffängt, ist unbezahlbar.
Sechs Monate unterwegs und die Dankbarkeit wächst
Wir sind jetzt schon über sechs Monate unterwegs. Sechs Monate voller Eindrücke, Überraschungen, Höhen, Tiefen, wunderschöner Momente und kleiner Katastrophen. Und jedes Mal, wenn uns etwas gelingt oder misslingt, wenn wir staunen oder fluchen, denke ich an meine Eltern.
An die Menschen, die uns losgelassen haben, aber nie fallen lassen würden. An die Menschen, die stolz sind, nicht weil wir viel erreichen, sondern weil wir wir sind. An die Menschen, die uns Freiheit schenken, ohne jemals Druck zu machen.
Je länger wir unterwegs sind, desto deutlicher wird mir, wie besonders das ist. Und wie sehr sie mich geprägt haben.
Danke, für alles, was man nicht in Koffer packen kann
Dieser Blog ist für euch, Mami und Dädi.
Danke, dass ihr mich nie klein gemacht habt, sondern grösser (naja, ausser halt körperlich). Danke, dass ihr mich nicht festgehalten habt, sondern mir Flügel gegeben habt. Danke, dass ihr euer Zuhause geöffnet habt, als wäre es das Natürlichste der Welt. Danke, dass ihr uns ein Zimmer gelassen habt und noch viel wichtiger: ein Gefühl von Heimat. Danke, dass ihr immer sagt: „Kommt einfach zurück.“ Danke, dass ihr uns vertraut, liebt und stärkt, ohne Erwartungen oder Bedingungen.
Ihr seid nicht nur wunderbare Eltern. Ihr seid der sichere Boden, von dem aus wir mutig springen können. Und egal, wo auf der Welt wir gerade sind, ein Teil von uns ist immer bei euch.





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