top of page

Loslassen und neu beginnen: Warum wir fast alles verkauften, um ein Jahr auf Weltreise zu gehen

  • Autorenbild: Livia Walker
    Livia Walker
  • 19. Okt. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 5. Nov. 2025

Ein ehrlicher Blick hinter unsere Entscheidung, alles loszulassen um endlich zu leben.



Livia und Fabio sitzen lächelnd vor gestapelten Umzugskartons – ein Moment zwischen Abschied und Neuanfang, kurz bevor sie alles loslassen, um auf Weltreise zu gehen.

Es war eher ein spontaner Impuls und trotzdem kein „Wir hauen jetzt einfach ab“-Moment. Es war ein Prozess. Einer, der mit einem leisen Gedanken begann: „Ist das jetzt alles?“ Fabio und ich telefonierten direkt nach Feierabend miteinander, die To-do-Listen des Alltags im Kopf, der Verkehrslärm im Hintergrund und plötzlich fühlte sich alles… eng an. Nicht falsch, nicht schlecht, einfach zu klein für das, was wir in uns spürten.

 

Wir wollten mehr als nur Wochenenden, die zu kurz sind, um wirklich zu entspannen. Mehr als Ferien, die gerade beginnen, wenn sie schon wieder vorbei sind. Wir wollten Zeit. Raum. Begegnungen. Abenteuer.



Der Entschluss: Loslassen


Der Gedanke an eine Weltreise schlich sich langsam ein. Erst als „Vielleicht irgendwann“-Idee. Dann als konkreter Plan. Und irgendwann als unausweichliche Wahrheit: Wenn wir es wirklich wollen, dann jetzt.

Also haben wir losgelassen. Stück für Stück. Die Wohnung gekündigt. Fabio hat seinen Job gekündigt. Ich habe ein Sabbatical beantragt um ein Jahr einfach mal Pause zu machen.

 

Wir haben unsere Möbel verkauft, Kleidung gespendet, Dinge verschenkt. Und plötzlich wurde es leicht. Je mehr wir losliessen, desto freier fühlte es sich an.

Nur mein Auto habe ich behalten, oder besser gesagt: meiner Familie überlassen. Ein kleines Stück Alltag, das in der Heimat bleibt, während wir unterwegs sind.



Abschied von unserem Zuhause


Was uns am schwersten fiel, war unsere Wohnung aufzugeben. Wir liebten sie. Jeden Winkel, jedes Vogelgezwitscher am Morgen, das Gefühl von Zuhause, das wir uns dort aufgebaut hatten. Wir wussten, dass wir wohl nie wieder eine Wohnung finden würden, die so perfekt zu uns passte (auch preislich).

 

Als der letzte Umzugskarton gepackt war und wir die Schlüssel abgaben, fühlte sich das nicht nach Freiheit an, sondern nach Verlust. Wir standen in leeren Räumen, in denen noch unsere Spuren hingen, und mussten schlucken. Es war ein kleiner Abschied vom alten Leben. Und es fiel uns unendlich schwer.

 

Die letzten Wochen vor der Abreise waren besonders herausfordernd. Ohne Wohnung standen wir plötzlich da und zogen bei meinen Eltern ein. Zurück in mein altes Kinderzimmer. Nicht, weil es dort unangenehm war; im Gegenteil, meine Eltern waren unglaublich liebevoll und unterstützend, sondern weil es einfach eine völlig neue Erfahrung war. Wir waren plötzlich wieder „zu Gast“ im eigenen Leben.

 

Im Nachhinein betrachtet war aber genau das wichtig. Diese Zwischenzeit hat uns geerdet und gezeigt, wie wenig man wirklich braucht. Und wie sehr wir bereit waren, jetzt wirklich zu gehen.



Zwischen Angst und Vorfreude


Klar, da war auch Angst. Was, wenn wir das bereuen? Was, wenn es schiefgeht? Was, wenn wir zurückkommen und alles anders ist?

Aber ganz ehrlich: Genau das wollten wir. Dass alles anders wird.

Wir wollten herausfinden, wer wir sind, wenn der Kalender keine Termine diktiert. Wir wollten erleben, was passiert, wenn man Raum schafft, für Zufälle, Menschen, Sonnenaufgänge, Spontanität.



Der Preis des Loslassens und was wir dafür bekommen


Wir haben fast alles verkauft. Materiell gesehen haben wir viel verloren. Aber gewonnen haben wir Freiheit.

Die Freiheit, unsere Tage selbst zu gestalten. Die Freiheit, Neues zu entdecken, nicht nur in der Welt, sondern auch in uns. Und die Freiheit, uns von der Vorstellung zu lösen, dass Sicherheit immer mit Besitz zu tun hat.

Denn das, was bleibt, kann man nicht verkaufen: Mut, Vertrauen, Liebe, Neugier.



Unser Warum


Wir machen diese Reise nicht, um „auszubrechen“. Wir machen sie, um anzukommen. Bei uns und in der Welt.

Vielleicht ist es verrückt, alles aufzugeben, was man sich aufgebaut hat. Aber vielleicht ist es noch verrückter, das eigene Leben nie wirklich zu leben.

Und genau deshalb sind wir gegangen. Mit leichtem Gepäck, offenen Herzen und der tiefen Gewissheit, dass man manchmal fast alles verkaufen muss, um das Wertvollste zu finden.



Diese Nachricht geht an dich, liebe/r Leser/in:


Wenn du das hier liest und in dir ein kleines „Vielleicht…“ aufblitzt, hör hin. Manchmal ist genau das der Anfang von etwas Wundervollem.

Kommentare


bottom of page