Reisen als Paar: Unterschiede bei Hitze, Kreislauf & Dessert
- Livia Walker

- 10. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Südostasien ist heiss. Nicht „ach, Sommerferien“-heiss, sondern „die Luft liegt auf dir wie eine unerwünschte Umarmung“-heiss.
Und genau hier zeigen sich einige grosse Unterschiede zwischen Fabio und mir.

Zwei Körper, zwei Temperatur-Welten
Fabio schwitzt. Schnell. Sofort. Effizient.
Ich hingegen friere. Ja. Ich friere.
Mitten in Südostasien. Umgeben von Menschen, die sichtbar schmelzen, stehe ich da und überlege, ob ich mir eine Jacke anziehen soll. Ich mag Klimaanlagen nicht besonders. Und sie mögen mich auch nicht wirklich. Ehrlich gesagt fühlt es sich manchmal ein bisschen so an, als hätten diese Dinger etwas gegen mich.
Was ich besonders hasse:
Diese völlig übertrieben runtergekühlten Cafés, in denen man eigentlich nur einen Kaffee trinken wollte und plötzlich fühlt es sich an wie in einem Tiefkühler.
Ich sitze da, schlotternd, an meinem Latte nippend, während Fabio erleichtert ausatmet und sagt: „Ahhh, jetzt isch’s endlich mal ahgnehm.“
Angenehm?! ENTSCHULDIGUNG??
Ich plane innerlich, mir aus Servietten eine Decke zu basteln.
Wenn Hitze plötzlich kippt
Aber natürlich bleibt es nicht dabei.
Sobald wir in grossen Städten landen, mit schwerer, feuchter Hitze, Smog in der Luft und dieser Art von Temperatur, die nicht mehr nur warm, sondern erdrückend ist, kippt alles.
Dann bin plötzlich ich die mit Kreislauf.
Schwindel. Wackelige Beine. Dieser Blick, der sagt: „Ich setze mich jetzt besser hin, bevor ich liege.“
Fabio?
Schwitzt weiter. Funktioniert weiter. Lebt weiter.
Und ich frage mich ernsthaft: Liegt das am Frausein?
Hormone, Temperaturregulation, Kreislauf, Emotionen... während Männer einfach existieren. In der Sonne. Erfolgreich.
Wenn einer satt ist und der andere erst anfängt
Und weil Gegensätze sich offenbar nicht mit Hitze und Kreislauf begnügen, kommen wir zum letzten grossen Unterschied: Essen.
Ich bin der Mensch, der eine Hauptmahlzeit auslassen würde, um Platz für Dessert zu haben.
Ich liebe Desserts. Ich lebe für Desserts. Zucker ist mein kurzfristiges Glückskonzept.
Wenn ich eine Speisekarte anschaue, scrolle ich mental direkt nach hinten. Dessert first. Immer.
Fabio hingegen ist der Mensch für Vorspeise und Hauptgang.
Er sagt Sätze wie: „Ich glaub, ich bruch kei Dessert.“
KEIN DESSERT.
Wie kann man freiwillig auf Dessert verzichten? Das ist doch der Sinn des Lebens!
Ich sitze dann da, mit glänzenden Augen, bestelle noch „nur schnell öpis Süesses“, während er zufrieden sein Wasser trinkt als wäre Essen für ihn jetzt einfach abgeschlossen.
Warum es trotzdem funktioniert
Und doch: Es funktioniert.
Wir reisen zusammen um die Welt. Mit zwei völlig unterschiedlichen Körpern, Bedürfnissen und Prioritäten.
Er: braun, verschwitzt, satt ohne Dessert.
Ich: frierend, manchmal schwindlig, aber glücklich mit Schokolade.
Wir lachen darüber. Wir ziehen uns gegenseitig auf.
Er erinnert mich ans Trinken und an die Elektrolyte.
Ich erinnere ihn daran, dass Dessert kein optionaler Lebensluxus ist.
Und manchmal , ja manchmal, lässt er sich sogar zu einem Gelato überreden.
Vielleicht ist genau das Reisen als Paar.
Nicht gleich zu sein. Sondern sich auszuhalten. Mit Schweiss, Kreislauf, Klimaanlagen-Trauma und Zuckergelüsten.
Und ehrlich?
Ich würde es genau so wieder machen.





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