Reisen Ü30: Wenn wir plötzlich wissen, was wir wollen... oder zumindest, was wir nicht mehr wollen
- Livia Walker

- 16. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Reisen über 30 ist anders als in den 20ern. Es ist ehrlicher, ruhiger und irgendwie auch ein bisschen komfortabler. In diesem Artikel verraten wir dir 10 Dinge, die uns ab 30 wichtiger sind als Hostels, Partys und Rooftop-Bars.

Früher, mit zwanzigirgendwas, sind wir losgereist wie hemmungslose Duracell-Häsli. Wir hatten Energie, Lust, Optimismus und genau null Plan. Wir schliefen in Hostels, in Zügen, auf Sofas von Freunden von Freunden. Wir duschten, wenn’s sich ergab, und ernährten uns von Chips, Bier und einer fatalen Selbstüberschätzung, die uns glauben liess: Das Leben beginnt erst nach Mitternacht.
Und jetzt? Jetzt sind wir über 30 und plötzlich… ja plötzlich sind wir kompliziert. Oder erwachsen. Oder einfach ehrlich genug, um zuzugeben: Wir haben Grenzen. Und Kreuzschmerzen. Und Ansprüche.
Hier die 10 Dinge, die uns auf Reisen plötzlich wichtiger sind als jede Rooftop-Bar. Von uns für euch. Offen und ungeschönt.
Ein Bett, das nicht klingt, als hätte es schon drei Leben gehabt
Früher: «Ach, ich kann überall schlafen.» Heute: «Das ist keine Matratze, das ist ein Angriff auf meine Wirbelsäule.»
Wir wollen Federkern, keine Federballschläger unterm Rücken. Wir brauchen Unterstützung am richtigen Ort. Sonst knackt unser Rücken am nächsten Tag wie ein Feuerwerk.
Schlaf, Schlaf, SCHLAF!
Wir haben lange behauptet, wir seien Nachteulen. Stellt sich raus: Wir waren einfach müde und schlecht organisiert.
Jetzt wissen wir: Reisen ohne Schlaf ist kein Vergnügen, sondern eine Realityshow, bei der wir die unausgeschlafene, leicht passive-aggressive Hauptrolle spielen. Es ist leider wirklich wahr, ohne Schlaf läuft nix. Wir gehören inzwischen auch zu den Leuten, die an richtig strengen Tagen ein Powernap am Nachmittag einlegen. Ihr seid schokiert? Wir auch…
Snacks, ohne die Kategorie "Studentenfutter des Grauens"
Wir reisen nicht mehr ohne Snacks. Weil wir uns kennen. Weil wir sonst unleidlich werden. Hunger plus Ü30 equals: Drama. Die Snickers-Werbung schien nie präziser. Es sind aber nicht irgendwelche Mittzwanziger-Snacks, es muss schon was Ordentliches sein. Wie z.B. Äpfel, Bananen, gesunde Nüsse, Getreideriegel oder getrocknete Früchte.
Ein Badeanzug/Bikini der uns beschützt, nicht knapp bedeckt
Wir wollen baden ohne Angst vor einem spontanen Nippelgate-Moment. Sexy? Überbewertet. Ständig zuppeln? Nein danke, wir haben genug andere Dinge, die wir im Griff behalten müssen. Unser Leben zum Beispiel. Drum merkt euch: Bequem muss das Teil sein. Und praktisch…
Ruhe und Sauberkeit, die neue Erotik
Nichts macht uns mehr an als ein Hotelzimmer, in dem niemand schreit, niemand feiert und niemand Möbel verrückt. Ruhe ist unser neues Abenteuer. Und die verbotene Frucht heisst Sauberkeit. Wir wollen kein abgeranztes Hostel-Dorm mehr, wo man am nächsten Morgen mit Bettwanzen-Bissen aufwacht. Wir wollen eine gewisse Grundsauberkeit. Erfüllt eine Unterkunft diese zwei Kriterien, schreien wir ekstatisch: «Ja bitte, mehr davon!»
Vorhänge, die wirklich abdunkeln
Wir wollen morgens aufwachen, weil wir bereit sind, nicht weil die Sonne uns wie eine übermotivierte Mutter aus dem Bett prügeln will. Fabio schläft sogar dann am besten, wenn das Zimmer KEIN Fenster hat. Ernsthaft, ihr könnt ihn fragen…
Koffein, das uns ernst nimmt
Wir akzeptieren auf Reisen viel. Aber schlechten Kaffee? Nein. Wir sind alt genug, um zu wissen: Der Tag ist nur so gut wie das, was wir als Erstes trinken. Und wir brauchen nun mal ein wenig Benzin in Koffeinform um in die Gänge zu kommen.
Geld gut investieren
Wir sind bereit, ein paar Franken mehr auszugeben für minimale Standards wie Sauberkeit und Lage. Nicht, weil wir reich sind, sondern weil wir es nicht mehr als persönlichkeitsbildend betrachten, in Zimmern und Gegenden zu übernachten, die aussehen wie Tatorte.
Schuhe, die uns nicht hassen
Wir kaufen Trekkingschuhe und Finken (Ja, FINKEN!) die uns ein Jahr lang aushalten müssen und fühlen uns dabei zero schuldig. Unbequeme Heels? Nicht mit uns. Wir wollen Orte sehen, erleben, bestaunen und zwar ganz ohne Fussschmerzen.
Zeit, die wirklich uns gehört
Nicht mehr: «Wir müssen alles sehen!» Sondern: «Wir müssen gar nichts.» Wir sitzen lieber eine Stunde am Strand, starren aufs Meer und fragen uns kritisch: Warum haben wir das nicht schon mit Mitte 20 gemacht? Vermutlich weil wir dachten, Pausen seien für Schwächlinge.
Die Wahrheit
Reisen Ü30 ist nicht langweiliger. Es ist bewusster. Und ein bisschen ehrlicher. Wir mögen Komfort. Wir mögen Ruhe. Wir mögen es, nicht völlig am Anschlag zu sein.
Vielleicht bedeutet Erwachsenwerden nicht, weniger wild zu sein, sondern weniger bereit, uns selbst auszutricksen.
Und ganz ehrlich: Dieses neue, ausgeschlafene Ich? Das reist verdammt gut.





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