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Reisetage auf Weltreise: diese besonderen Tage zwischen Vorfreude und Nervenzusammenbruch

  • Autorenbild: Livia Walker
    Livia Walker
  • 20. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Reisetage sind keine richtigen Tage. Sie sind ein eigener Aggregatzustand. Irgendwo zwischen „Ich lebe meinen Traum“ und „Warum tue ich mir das eigentlich an?“. Und wenn ich eines auf unserer Weltreise wirklich gelernt habe, dann das: Reisetage wollen nichts von dir. Ausser Geduld. Und ein bisschen Demut. Und vielleicht deine letzte Nervenreserve.


Illustration eines reisenden Paares an einem Flughafen während eines Reisetages, umgeben von Gepäck, Verspätungen und wartenden Menschen – Sinnbild für Geduld, Nerven und Transit auf Weltreise.

Ganz am Anfang unserer Reise fand ich Reisetage ehrlich gesagt ein bisschen blöd. Nein, falsch: RICHTIG blöd. Sie waren langweilig, zäh, unsexy. Man sitzt rum. Viel. Wartet. Noch mehr. Starrt auf Abflugtafeln, Busfenster oder auf Menschen, die genauso müde aussehen wie man selbst. Und innerlich ist man angespannt wie ein Gummiband kurz vorm Reissen, weil ja jederzeit irgendwas schiefgehen könnte.

 

Wisst ihr was? Es geht immer irgendwas schief.


Verspätungen. Verpasste Anschlüsse. Busse, die es laut Ticket geben sollte, aber offenbar nur in einer Parallelwelt existieren. Roller mit plattem Reifen. Fähren, die „gleich“ kommen (Definition von „gleich“ variiert je nach Kontinent zwischen 10 Minuten und 6 Stunden). Damals dachte ich noch, Reisetage müssten effizient sein. Produktiv. Am besten mit Sehenswürdigkeiten, Cafés und einem Sonnenuntergang am Zielort. Heute lache ich über diese Version von mir. Zärtlich. Aber bestimmt.

 

Denn irgendwann auf dieser Reise ist es passiert: Wir haben verstanden, dass Reisetage spezielle Tage sind. Tage, an denen man sich nichts vornimmt. Wirklich nichts. Keine To-do-Liste, keine Erwartungen, keine Illusion von Kontrolle. Reisetage haben genau ein einziges Ziel: Am neuen Ort anzukommen. Punkt.

Wie? Wann? Mit welchem Transportmittel? Völlig egal.

Und das ist befreiend.


Heute wissen wir: Es dauert. Immer. Selbst wenn es nicht dauert, dauert es. Wir warten völlig gelassen. Also… meistens. Gelassen im Sinne von: Wir regen uns nicht mehr über Dinge auf, die wir nicht ändern können. Der Bus ist zu spät? Okay. Dann ist er zu spät. Das Flugzeug hat Verspätung? Super, mehr Zeit, um am Gate Kaffee zu trinken und existenziell ins Leere zu starren.

 

Reisetage haben uns gelehrt, locker zu bleiben. Nicht aus Erleuchtung, sondern aus Überlebensinstinkt.


Getreu dem Motto: Der Weg ist das Ziel. Ein Satz, den ich früher für einen Kalenderspruch hielt. Heute weiss ich: Der Weg ist nicht immer schön, nicht immer inspirierend und ganz sicher nicht immer Instagram-tauglich. Aber er ist real. Und er gehört dazu. Mit allem, was kommt.

 

Es gibt Reisetage, da besteht der Tag aus genau drei Aktivitäten: Sitzen, Warten, Weiterfahren. Und weisst du was? Das ist völlig okay. Nicht jeder Tag auf Reisen muss ein Highlight sein. Manche Tage sind einfach… Transit. Und genau das darf Platz haben. Diese Tage zwingen dich, loszulassen. Deine Ungeduld. Deinen Perfektionismus. Deine Vorstellung davon, wie Reisen sein sollte.

 

Heute stressen uns Reisetage nicht mehr. Wir freuen uns natürlich, wenn wir endlich da sind. Wenn der Rucksack abgestellt wird, die Schuhe ausgezogen sind und man zum ersten Mal tief durchatmet am neuen Ort. Aber der Weg dorthin? Der darf holpern. Der darf chaotisch sein. Der darf nerven. Und manchmal darf er einfach nur existieren.

 

Wir haben gelernt, Reisetage anzunehmen. Mit allen Verspätungen, Pannen und Planänderungen. Mit müden Beinen, leerem Akku und vollem Kopf. Sie sind Teil der Reise. Vielleicht sogar ein sehr ehrlicher Teil. Einer ohne Inszenierung oder Hochglanz.

 

Reisetage sind das Leben in Bewegung. Unperfekt. Unberechenbar. Und genau deshalb irgendwie wunderschön.

 

Und falls heute wieder so ein Tag ist, an dem nichts läuft wie geplant: Willkommen im Club. Wir fühlen mit dir. Ganz ehrlich.



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