Vegetarisch oder nicht: Unsere Erfahrungen auf Weltreise mit unterschiedlichen Ernährungsweisen
- Livia Walker

- 16. Nov. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Wie geht das eigentlich, wenn ein Paar auf Weltreise ist, die heimische Küche tausende Kilometer weit entfernt und jemand vegetarisch lebt während der andere Fleisch isst? Wir haben's für euch rausgefunden.

Essensabenteuer auf Reisen
Vier Monate Weltreise und ich schwöre, wir haben unterwegs mehr Essensverhandlungen geführt als in unserer gesamten Paar-Zeit zu Hause.
Fabio: leidenschaftlicher Fleischesser. Ich: seit 18 Jahren überzeugte Vegetarierin, aber genug unkompliziert, dass ich theoretisch auch im Steakhouse überleben würde. (Ich esse einfach alles ausser dem Tier)
Trotzdem: Das Leben unterwegs überrascht uns immer wieder.
Orte, an denen vegetarisch einfach geht und Orte, die Herausforderungen sind
Es gibt Orte auf dieser Welt, in denen es total easy ist, vegetarisch zu bestellen. Bangkok zum Beispiel. Da fragt man einmal „jay?“ und zack! steht ein Teller voll vegetarischer Glückseligkeit vor einem: Tofu, frisches Gemüse, Nudeln oder Reis, alles duftet nach Limette und Freiheit.
Und dann gibt es Orte, an denen „vegetarisch“ bedeutet: „Klar! Kein Fleisch!“ …in einer Suppe aus Hühnerbrühe… mit Fischsauce… und dekorativ verstreuten Mini-Garnelen, die offenbar als „Gewürz“ gelten.
Fabio hat's da leicht: Er zeigt auf das Gericht mit den bekannten Tiersymbolen und ist glücklich. Ich zeige auf Gemüse, wiederhole fünfmal „no meat, no fish, no sauce“, und hoffe, dass das Universum mit mir ist.
Das Positive: irgendwie klappt’s dann trotzdem immer.
Die Speisekarte als Beziehungstest
Wisst ihr, was ich gelernt habe? Wenn man vier Monate lang zusammen reist, ist Essen plötzlich keine Mahlzeit mehr, es ist Teamarbeit.
Fabio scannt die Karte nach fleischlosen Optionen für mich und findet keine einzige. Ich sage: „Du kannst das Fleisch ruhig haben, ich esse den Rest.“ Er lächelt dankbar. Ich bin zufrieden, er ist zufrieden.
Wir sitzen auf Plastikstühlen in Garküchen, teilen uns Currys, schieben uns unterschiedliche Etwas rüber, kontrollieren, ob im Reis kleine Fleischstückchen versteckt sind, und haben dabei diese Momente, in denen wir uns ansehen und ich sage: „Was zum Geier ist das? Probier mal.“ Er lacht mich dann jeweils ein wenig aus, nimmt mutig einen Bissen und erklärt mir dann, ob es Fleisch ist oder nicht. Manchmal lautet seine Antwort aber auch: „Undefinierbar, dein Risiko.“ Das Schöne an der Sache ist ja, wir schaffen es irgendwie immer.
Es sind kleine Kompromisse, die plötzlich gross werden. Es sind Lösungen, die man vorher nie gebraucht hätte. Und es ist eine Flexibilität, die sich wie ein Muskel anfühlt: erst ungewohnt, dann stärker, dann selbstverständlich.
Was wir am meisten lieben
Dass Essen für uns kein Problem ist, sondern ein gemeinsamer Prozess. Eine Art Paar-Tetris: Welche Kombination passt, damit beide glücklich sind?
Manchmal bestellen wir zwei Gerichte und tauschen die Hälfte. Manchmal gibt’s für mich Reis mit Gemüse und für Fabio etwas, das aussieht, als hätte es noch versucht zu fliehen. Manchmal finden wir vegane Cafés, in denen wir beide überglücklich sind. Und manchmal esse ich einfach zwei Sandwiches, wenn es gar keine Alternativen gibt.
Und das ist okay.
Denn Weltreise heisst nicht, dass alles perfekt läuft, es heisst, dass wir gemeinsam rausfinden, wie es für uns läuft.
5 Tipps für Paare mit unterschiedlichen Ernährungsweisen
Sprecht schon vor der Bestellung darüber, was ihr wollt. Das erspart euch 20 Minuten „Willst du lieber…?“ und einen genervten Kellner.
Teilt Gerichte, aber smart. Ihr könnt zwei unterschiedliche Gerichte bestellen und dann tauschen, was jeweils passt. So wird jedes Essen zum Mini-Buffet.
Wählt Ziele bewusst. Südostasien? Recht einfach für Vegetarier. Andere Regionen? Eher „Survival Level Expertenmodus“. Plant grob, nicht streng.
Habt immer einen Snack dabei. Eine Banane, Nüsse oder Cracker retten Beziehungen. Und Vegetarierinnen.
Seid flexibel, aber nicht auf Kosten eurer Prinzipien. Es ist okay, Kompromisse zu machen. Es ist auch okay, zu sagen: „Ne, das esse ich nicht.“ Respektiert einander, der Rest ergibt sich.
Fazit
Nach vier Monaten Weltreise, hunderten Gerichten, dutzenden Missverständnissen („No meat“ ist internationaler, als man denkt, aber auch nicht so international) und vielen gemeinsamen Mahlzeiten weiss ich: Unterschiedliche Ernährungsweisen sind kein Hindernis, sie sind ein Menü voller Möglichkeiten. Und irgendwie schmeckt alles besser, wenn man es gemeinsam ausprobiert. Also traut euch, geht hinaus in die Welt, egal wie ihr euch ernährt. Es gibt immer einen Weg.





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