Weihnachten auf Weltreise: Von Palmen, Heimweh und Dankbarkeit
- Livia Walker

- 24. Dez. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Wenn mir jemand vor ein paar Jahren gesagt hätte, dass ich Weihnachten einmal am Strand feiern würde, barfuss, mit einer frischen Kokosnuss in der Hand, ich hätte laut gelacht. Ich, die Person, die Weihnachtslieder schon im Oktober lauthals mitsingt, die jeden Weihnachtsklassiker im TV (Love actually, ich liebe dich!) hoch und runter guckt, die mit ihrer Familie jeden 24. Dezember mit Tradition, einem viel zu kitschigen Weihnachtsbaum, Chaos und unfassbar viel Liebe zelebriert?

Und jetzt bin ich in Thailand. Auf Koh Tao. In einem Strandkleid. Bei gefühlten 32 Grad. Ohne Zimtsterne, ohne Fondue Chinoise, ohne meine Lieblingsmenschen… also, fast ohne, Fabio sitzt neben mir und isst Pad Thai wie ein sehr zufriedener Weihnachtswichtel.
Und weil ich offenbar beschlossen habe, das Klischee endgültig zu sprengen, habe ich mir gestern einen Weihnachtshaarreifen gekauft. Natürlich. Rot, Gold und leicht übertrieben. Seit heute Morgen trage ich ihn ununterbrochen, als wäre er Teil meiner Persönlichkeit geworden. Vielleicht ist er das inzwischen auch.
Viele Leute schmunzeln mich an, manche lachen offen, andere werfen mir diesen kurzen „Hab ich das gerade wirklich gesehen?“-Blick zu. Ich sehe Freude in ihren Gesichtern und bilde mir ein, dass ich ihnen ein kleines Lächeln in den Tag zaubere. Vielleicht ist es auch ein ganz kleines Auslachen. Aber ganz ehrlich: Damit kann ich leben. Wer an Weihnachten nicht ein bisschen kitschig sein darf, wann dann bitte?
Ich trage diesen Haarreifen mit Stolz. Barfuss, verschwitzt, und völlig unpassend, aber voller Weihnachtsgeist. Weihnachten ist mir wichtig. Es ist mehr als Schnee, Fondue Chinoise und kitschige Deko. Es ist dieses Gefühl. Dieses warme, vertraute, leicht chaotische Etwas, das ich offenbar sogar bis nach Koh Tao geschleppt habe.
Fabio schmunzelt ebenfalls, während er mir zusieht. Er kennt mich. Er weiss, dass es keinen Ort auf dieser Welt gibt, an dem ich Weihnachten nicht irgendwie feiern würde. Notfalls mit Pad Thai, Kokosnuss und Haarreifen. Und ich sehe es ihm an: Er findet es irgendwie süss. Vielleicht auch ein kleines bisschen verrückt. Aber vor allem: sehr ich.
Weihnachten ohne Zuhause, ein komisches Gefühl
Wir sind nun seit fast sechs Monaten unterwegs. Es ist unser erstes Weihnachten auf Weltreise. Unser erstes Weihnachten nicht zu Hause. Und so wunderschön diese Reise ist, heute drückt es im Herzen ein bisschen.
Ich liebe Weihnachten. Dieses echte, ehrliche, warme Weihnachtsgefühl mit meiner Familie. Mit viel Lachen. Mit zu viel Essen. Mit Menschen, die mich so gut kennen, dass sie meine Gedanken manchmal schon aussprechen, bevor ich überhaupt realisiert habe, dass ich sie denken wollte.
Und heute? Heute vermiss ich sie alle. Ein bisschen zu doll.
Abenteuer vs. Ankommen, der Preis eines Traums
Ich weiss, wir haben ein grosses Privileg. Wir dürfen eine Weltreise machen. Einfach so. Rucksack auf, losziehen, Welt anschauen. Das ist ein Geschenk. Aber jedes Geschenk hat auch seine Rückseite und meine ist heute ziemlich spürbar.
Denn ja, ich verbringe diesen Tag mit Fabio, meinem Lieblingsmenschen. Und das ist wunderschön. Ich hätte keinen besseren Reise- und Lebenspartner finden können. Aber trotzdem… es fehlen diese Stimmen, diese Umarmungen, dieses "Schön bisch da", das man nur zu Hause bekommt.
Es fehlt das Gefühl, dass es draussen kalt ist, während drinnen die Heizung vor sich hin knistert. Es fehlt das vertraute Chaos, das sich einfach wie Zuhause anfühlt. Ich spreche mit Fabio über diese Gefühle und er versteht mich. Ihm geht es heute ganz ähnlich. Und in Momenten wie diesen, rücken wir beide noch ein kleines Stückchen näher zusammen.
Weihnachten auf Koh Tao, ungewohnt aber schön
Trotzdem hat dieser Tag etwas Schönes. Die Insel ist ruhig. Die Sonne weckt uns sanft. Das Meer glitzert. Statt Tannenduft riecht alles nach Sonnencreme und Meerwasser. Statt Glühwein gibt’s Kokosnuss. Statt "Stille Nacht" kreischt irgendwo ein Gecko (nicht wirklich weihnachtlich, aber hey… auch Tradition muss sich weiterentwickeln).
Wir haben uns heute Morgen eine kleine eigene Weihnachtsroutine gebastelt:
* Frühstück am Strand
* ein Bad im türkisfarbenen Wasser
* einen Weihnachtsbaum in den Sand gemalt, inkl. Muscheln als Deko (ja, wirklich)
* und jetzt sitze ich hier, schreibe und atme ein bisschen Dankbarkeit ein.
Vielleicht ist das das Schöne an Weihnachten: Es findet einen, egal wo man ist. Es verändert sich. Es passt sich an. Es kommt mit.
Heimweh darf sein, Dankbarkeit auch
Ich habe heute Heimweh. Nach meiner Familie UND meinen Freunden. Und das ist völlig in Ordnung. Heimweh gehört sogar ein bisschen dazu. Es zeigt mir, wie schön mein Zuhause ist, wie wertvoll meine Menschen sind, wie viel Liebe ich dort habe.
Aber gleichzeitig spüre ich auch dieses Kribbeln der Freiheit. Dieses "Wir leben wirklich gerade unseren Traum". Dieses "Wow, wir dürfen das machen". Und auch das ist ein unglaubliches Geschenk.
Beides darf nebeneinander existieren. Heimweh und Abenteuer. Traurigkeit und Freude. Verlust und Gewinn.
Vielleicht ist das die wahre Weihnachtsbotschaft: Dass alles Platz haben darf. Vor allem das Herz.
Ein kleines Fazit aus der Ferne
Dieses Weihnachten ist anders. Nicht schlechter. Nicht besser. Einfach… anders.
Ein bisschen salziger, ein bisschen sonniger, ein bisschen weiter weg, aber trotzdem voller Liebe.
Und vielleicht erzähle ich irgendwann einmal davon, wie wir auf Koh Tao Weihnachten gefeiert haben: Wie wir Muscheln gesammelt haben, statt Schnee. Wie wir Pad Thai gegessen haben, statt Fondue Chinoise. Wie ich meine Familie und Freunde sehr vermisst habe. Und wie ich gleichzeitig gemerkt habe, dass Liebe dorthin reicht, wo immer man gerade ist.
Also… an alle daheim und an alle, die Weihnachten dieses Jahr auch fernab von Zuhause verbringen: Ich schicke euch eine grosse, salzige, warme, ehrliche Umarmung.
Und vielleicht ein paar Sonnenstrahlen. Ich hab genug für alle.
Und nun wünschen Fabio und ich euch von Herzen:
Fröhliche Weihnachten, Merry Christmas, und S̄uk̄hs̄ạnt̒ wạn khris̄t̒mās̄
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