Aus dem Leben eines Perfektionisten: Perfektionismus loslassen
- Fabio Amstutz

- 8. Nov. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 8. Nov. 2025
Ich habe lange geglaubt, Kontrolle sei gleich Sicherheit. Heute weiss ich: Manchmal bedeutet Kontrolle einfach nur Angst, etwas loszulassen.

Ich gebe es zu: Ich bin ein Perfektionist. So richtig. Mit Strukturen, Plänen, 1000 Gedanken und einer inneren To-do-Liste, die wahrscheinlich länger ist als du dir nur ansatzweise vorstellen kannst. Wenn ich etwas anpacke, dann richtig. Oftmals in einem Affentempo und mit impulsiven Entscheidungen, welche öfters auch mal zu schnell sind.
Kontrolle ist mein Sicherheitsnetz
Ich weiss, dass ich schwer loslassen kann. Vielleicht liegt es daran, dass ich schon früh in meinem Leben Verantwortung übernehmen musste, vielleicht ist es genetisch bedingt. Wer weiss das schon? Ich hab das Gefühl, wenn ich etwas nicht selbst erledige, könnte es schief gehen. Nicht, weil ich anderen misstraue, schon gar nicht Livia, sondern weil ich irgendwann gelernt habe: Wenn ich’s nicht mache, macht es vielleicht keiner oder jemand macht es «falsch». Was ist schon «falsch», das ist eine Definition, die jeder für sich entscheidet.
Bezüglich unserer Weltreise
Bezüglich unserer Weltreise: Ich plane. Ich organisiere. Ich sorge vor. Ich will, dass alles glattläuft, nicht aus Zwang, sondern aus Fürsorge. Weil ich will, dass wir sicher sind. Dass nichts schiefgeht. Für die Weltreise sind es definitiv die positiven Aspekte, die triumphieren. Aber es entsteht auch ein gewisser Druck. Eine Erwartungshaltung an mich selbst, die schon auch lästig und schwer werden kann.
„Das Leben muss nicht perfekt sein, um wunderbar zu sein.“ - Annette Funicello
Manchmal vergesse ich dabei: Das Leben lässt sich nicht kontrollieren. Und Perfektion schützt nicht vor Chaos und dem eigentlichen Leben.
Wenn Kontrolle zur Last wird
Ich merke selbst, wie mich das manchmal stresst. Wenn ein Plan kippt. Wenn jemand etwas „anders“ macht. Oder wenn es Gegebenheiten gibt, die ich nicht kontrollieren kann oder wo ich Kontrolle abgeben muss (wie z.B. auch bei meiner Flugangst).
Ich wünschte oft, ich könnte einfach locker sein. Dieses Vertrauen haben, dass Dinge sich fügen. Dass „gut genug“ wirklich gut genug ist und es kommen darf, wie es kommt.
Und ich versuche es. Wirklich. Ich übe, loszulassen. Ich übe, zu atmen, wenn etwas nicht nach Plan läuft. Und manchmal klappt’s.
Wenn Liebe dich weicher macht
Livia sieht, wenn ich kämpfe. Nicht mit ihr, sondern mit mir. Sie sagt nicht: „Du musst dich ändern oder lass doch einfach los.“ Sie sagt: „Ich weiss, du willst, dass es gut wird, dass uns nichts passiert.“ Und das hilft mir sehr. Sie schafft es dann mir klar zu machen, dass ich loslassen darf. Es ist nicht alles im Leben in meiner Verantwortung. Verantwortung soll auf mehrere Personen verteilt sein. Auf der Lebenspartner*in, auf Freunden, innerhalb der Familie, den Arbeitskollegen oder gar dem Chef.
Was mir hilft um loszulassen und meinen inneren Kampf zu entschärfen
1. Kleine Schritte: Wenn ich ihr etwas überlasse. Das Abendessen, die Wochenendplanung und es trotzdem gut läuft (auch wenn’s zum 3. Mal Spaghetti mit Pesto gibt), dann merke ich: Die Welt geht nicht unter.
2. Ehrlich bleiben: Wenn ich merke, dass ich wieder alles kontrollieren will, dann sag ich es. Sie hört zu, ohne Vorwurf. Und dann schaffen wir es gemeinsam, die Balance zu finden.
3.Selbstrefelxion: Ich schaue mich von aussen an und frage mich: Versuche ich es zu beherrschen? Zu 99% ist die Antwort: JA. Dann denke ich: Scheissegal, lass los es darf kommen wie es kommt.
4. Humor statt Drama: Wenn sie sagt: „Es ist okay, wenn’s nicht perfekt ist. Es ist unser Leben, keine Prüfung.“ Dann muss ich lachen. Und genau das erdet mich.
5. Dankbarkeit: Ich bin dankbar für ihre Spontanität. Für ihre Leichtigkeit. Und sie ist dankbar für meine Struktur und Ordnung. Irgendwo dazwischen tanzen wir durchs Leben.
Fazit: Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser
Ich arbeite daran, loszulassen. Nicht, weil ich mich ändern muss, sondern weil ich lernen will, mehr zu leben und das Leben leichter, schöner und farbiger zu haben.
Perfektion hat mir Sicherheit gegeben, aber Livia hat mir auch gezeigt, wie schön es ist, jemanden an der Seite zu haben, der mich daran erinnert, dass man nicht alles planen muss, um glücklich zu sein.
Im Endeffekt ist es eine tägliche Entscheidung immer wieder loszulassen. Und bei jedem Loslassen merke ich: Ah es geht ja doch, auch wenn nicht immer so wie ich es mir vorgestellt habe. Aber so ist es auch okay. Dann bin ich immer stolz auf mich, dass ich Energie und Nerven gespart habe.
Bist du auch ein Perfektionist? Was fällt dir schwer? Was hilft dir? Schreib’s mir gerne in die Kommentare.





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